Meine Poetik

Mail an meine Tochter
19-03-15

Hallo mein Grosses.image15

Wenn ich das jetzt richtig verstehe, dann hast Du während Deines Studiums diese neue Sprache tatsächlich lernen müssen, diesen ganzen Etikettenterror mit Definitionsbedrohungen und Unterteilungswahnsinn, diese ganzen Schubladen mit den verschiedensten minimalen Unterscheidungsmerkmalen die zu klassifizieren die Poetikfetischisten sich bemühen?
(wie wird die Wissenschaftlerin in Dir jetzt diesen Anarchistensatz sezieren? 😁😂😱)

Im Ernst: ich muß gestehen, daß der ganze (für mich) Neusprech für den wissenschaftlichen Austausch und den Disput wohl unabdingbar sein mag. Je tiefer ich in die Materie eindringe, Dank Wiki (und den starken Männern, hö, ich kann es nicht lassen, seichte Gägs kommen mir flüssig, schnoddriges Germanisch auch), umso verblüffter bin ich. Dann merk ich, dass man (Du) mein Parageschreibsel auch „wissenschaftlich“ ausdrücken könnte(st), aber irgendwie ist mir meine Beschreibungsart lieber, weil für mich und den Leser verständlicher.
Ich möchte aber schon, daß Du mit mir darüber in eurem Fachkauderwelsch sprichst und es mir dann erklärst, ich lerne daraus.
Vielleicht schreibst Du ja irgendwann mal über meine Art von Lyrik, auch wenn es nur für mich ist. (Vielleicht musst Du ja auch irgendwann mal darüber schreiben…das wär der Hammer!) Dann verstünde ich endlich, was ich da so mache.

Also, es wäre besser, Du würdest Urlaub beantragen, allein um Deine Korrespondenz mit mir zu erledigen. Hüstel.

PS: Ein geschriebenes Gedicht darf auch eine optische Aussage machen. Beim Anblick sollte man schon eine Rhythmik spüren.