Poesie ist Poesie ist Poesie

Poesie
Sollte keine Geheimsprache sein
Für selbsternannte Kryptologen
Wo einer von dem andern abschreibt denn
Poesie
sollte nicht
zum Rätselraten werden
Was hat sich der Autor bloß gedacht
Bilder
Soll er entstehen lassen
Und Gedanken und Gefühle
Mit Worten wie Musik
Doch nicht als Puzzlestücke
Als Würfelchen
Zum Scrabblen
Als Poesie zum
Selbst Zusammensetzen
Als Denksport ohne Anleitung
Ungenügend
Herr Müllermeierschmitt
Sie haben am Thema vorbei geschrieben
Ich hatte Ihnen doch geraten
Mein Einführungsbüchlein zu lesen
Viel Spaß mit meinen kleinen Texten und Liedern.
Sie werden dafür kein Einführungsbüchlein brauchen
jmpg Mai 2014“

Auszug aus: Jean M. P. Gilbertz. „der gesang der zikade.“ Edition Octopus. iBooks.
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Gebet?

Was will ich denn, beim Poetisieren? Etwas hinausschreien, das mir die Seele verbrennt. Mit trefflichen Worten. Um mich mitzuteilen. In der Hoffnung, dass noch jemand so empfindet und dass er mich versteht und ich darob nicht so allein bin.
Denn wäre ich ganz allein auf dieser Welt, dann würde ich nicht schreiben, sondern nur noch beten.
Aber vielleicht ist Poesie ja ein Gebet.

© jmpg 25-10-16

Poetik-Sprüche…

Poetik-Sprüche…als Vor-Wörter

„Jede neue Zeile ist wie eine Regieanweisung.
Die Verteilung zeigt an, wie gelesen werden soll.
Sie zeigt die Dringlichkeit an, den Gedanken- und den Atemfluß.“
(© jmpg 2014, beim Layout vom „gesang der zikade“)“

Ich mag das Wort Lyrik nicht so richtig, es erinnert mich zu sehr an die Lyra und ihre von mir so geliebten Nachfolge-Instrumente. Und allzu viele Werke, die unter dem Begriff Lyrik verkauft werden, besitzen alles andere als Musik.

Welches Spiel ist das
Alles kryptisch einzuwickeln
Versteckt man
Die eigene Seele oder doch
Die Unzulänglichkeit

Ich finde es unglaublich interessant, mir jetzt den theoretischen Unterbau meiner spontanen Poesie und meiner Lieder (Lyrik!, schau an…) anzulesen. Angeblich bin ich dem „akzentuierenden Versprinzip“ verhaftet…

Natürlich kann man Poet werden indem man erst mal die Regeln lernt und sie dann wie in einem Puzzle anwendet.
Ich bin aber mehr für das Spontane. Es muß richtig klingen. In meinen Ohren. Und gut ausschauen. In meinen Augen. Und verständlich sein. Für meine Leser.

Das Studium soll Techniken lehren, die schon mal angewendet wurden, in der Vergangenheit. Das Handwerkliche halt, das Rüstzeug. Auch wenn man es nicht nutzt.

Wenn den Bildern meiner Erinnerungen eine Sprache innewohnt, derer sie sich bedienen, wenn ich auf sie treffe, dann ist es stets die Sprache des Landes und der Stadt, die diese Bilder beherbergen, und die Sprache der Teilnehmer an diesen Erinnerungen.

Quand reviennent mes souvenirs
C’est dans leur langue
Que je respire

Die Rhythmik, Komma, die Metrik (ja, ja, es ist eine Metrik), in der ich schreibe, ist spontan. Ich denke in dieser Rhythmik.

Ich denke melodiebezogen, ich kann auch aus einem Dreisilber eine Zweierbetonung machen, ohne die Rhythmik zu zerstören.

Die eigenen Gedichte in eine andere Sprache zu übertragen, weil man es kann, ist natürlich optimal. Nur sind es bei mir dann, formal gesehen, stets zwei verschiedene Werke.

Je ne traduis pas vraiment mes poèmes ou mes chansons.
J’essaie de recréer les images et l’atmosphère du texte original, sans pour autant me laisser encarcérer par une traduction litérale.

 

Ich habe jetzt die intersemiotische Translation für mich entdeckt.

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Natürlich kann man das Wörtchen Poesie wörtlich betrachten und benutzen. Wird ja auch oft so gehandhabt, glaub‘ ich. Dann bedeutet es einfach „Erschaffung“.
Oder, modernisiert: „Werk“.
Bleistift, Papier und deren moderneren Alternativen sind dann schlicht die „Werkzeuge“.

Wie Poesie entsteht

„Wie Poesie entsteht

Ich setze mich nicht um acht in der Früh an den Schreibtisch oder am Nachmittag um zwei und sage: Jetzt schreib‘ ich ein Gedicht. Ein Gedicht schreibt sich, es kündigt sich an, mit Wortfetzen, Rhythmen und Bildern. Erst dann fang ich an, darüber nachzudenken. Handwerkliche Erfahrungen kommen hinzu, Versuche entstehen, immer noch im Kopf, und ich hoffe, die ersten Zeilen nicht zu vergessen.
Ich fange an zu schreiben, es drängt sich mir auf, ganz gleich, wo ich bin. Ich trage auch stets das zum Schreiben Nötige mit mir herum, oft Bleistift und Papier. Oft aber auch mein kleines Alleskönner-Telefon mitsamt seiner Notenschreibmaschine.
Chansons entstehen auf ähnliche Art und Weise. Manchmal steht am Anfang ein kleines Melodie-Fragment, das in meinen inneren Speichern nach Worten und Sätzen mit melodischen und rhythmischen Ähnlichkeiten sucht. Manchmal verlangt ein melodischer oder rhythmischer Satz nach einem tragfähigen Weg, einem Flussbett ähnlich, das er entlang fließen und in dem er sich ausbreiten kann. Auch hierbei entstehen die Melodien zuerst im Kopf, samt ihrer Notation, bevor ich sie aufzeichne. Ich suche nie aktiv nach Worten, die Worte finden mich, und genau das Gleiche tun die Melodien.
Ich bin kein Sprach-Anatom, Gott bewahre, und möchte nie einer werden. Ich habe die Anatomie des Menschen studiert, mit heißem Bemüh’n. Ich hab‘ die sterblichen Überreste seziert, bis nur noch ein Gerippe übrig blieb. Weil es mir helfen sollte, ihn bis in sein Innerstes hinein kennen zu lernen und ihn zu heilen, den Menschen. Die Sprache muss ich nicht heilen, sie ist ja nicht krank. Ich würde es auch nicht mögen, sie auseinander zu nehmen, um sie dann wieder neu zusammen zu setzen. Vielleicht würde niemand sie wieder erkennen. Ich möchte, dass sie mich liebt, die Sprache, so wie sie ist und so, wie ich sie liebe. Ich möchte in sie eindringen und ich möchte, dass sie sich in mir ausbreitet, von sich aus. Beim Gedanken, sie zu sezieren, schaudert’s mich.
Wenn Eindringen und sich Ausbreiten mit Liebe zu tun haben, dann bedeutet Sezieren… Zerstören. Gefühle werden entweiht, der Zauber verfliegt, Farben verlaufen und was Musik war, wird zur Kakophonie. Wort-Trümmer, zerrissene Partituren, kein Sehen, kein Hören und kein Verstehen mehr. Ein Buchstabenmeer in einem autistischen Raum. Das Ich bleibt im Ich gefangen und das Du hat jede Bedeutung verloren.
Das ist nicht meine Poesie. Liebe, Gefühle und Schönheit kann man nicht nüchtern hinterfragen, ohne Gefahr zu laufen, sie umzubringen.“

Auszug aus: Jean M. P. Gilbertz. „der gesang der zikade.“ Edition Octopus. iBooks.
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Meine Poetik #3

„Jede neue Zeile ist wie eine Regieanweisung.
Die Verteilung zeigt an wie gelesen werden soll.
Sie zeigt die Dringlichkeit an, den Gedanken- und den Atemfluß.“

(© jmpg 2014, Anweisungen beim Layout vom „gesang der zikade“)

Mein schollenschweres Land

Um als Schreibender, und vor allem als Poet in meinem so schollenschweren Vaterland ernst genommen zu werden, oder wenigstens beachtet, muß man mindestens Literatur studiert haben und Professor sein oder gewesen. (Ich mag das Wort Lyrik nicht so richtig, es erinnert mich zu sehr an die Lyra und ihre von mir so geliebten Nachfolge-Instrumente. Und allzu viele Werke, die unter dem Begriff Lyrik subsummiert werden, besitzen alles andere als Musik)

Daß man im Literatur-Studium im Wesentlichen lernt, sich mit den Texten von meist eben solchen Studienabsolventen früherer Generationen auseinander zu setzen und sie in oft merkwürdiger Art und Weise zu beurteilen, nach von wem auch immer festgelegten Kriterien, das scheint niemanden zu interessieren. Besonders hier in Luxemburg ficht das niemanden an. Du willst schreiben? Dann studier gefälligst auf Lehramt. Oder versuch dich im Staatsdienst. Ach ja, Zeitungsschreiber geht auch noch. Da steht dir zusätzlich die gesamte PR-Abteilung zur Verfügung.

Wie gesagt, das ist Luxemburg, mein kulturelles und linguistisches Zwitter-Zuhause.
Doch germanophil- und phonisch gesehen, lieber Johann (das bin ich…), gibt es ja auch den Friedrich, den Schiller, und der war, unter anderem, Arzt, na also. Und der Johann Wolfgang war Geheimrat! Und meine geliebte Tochter Fabienne Germanistin und Literaturwissenschaftlerin. Natürlich die einzig ernstzunehmende ihres Standes, aber sicher! Ob ich stolz auf sie bin? Was glaubt ihr wohl…?

Poesie gehört für mich natürlich zu den „schönen“ Künsten, wie auch die Musik und die plastischen Ausdrucksmöglichkeiten. Die Fähigkeiten (und das Bedürfnis) dazu hat man. Oder eben nicht. Auf jeden Fall erwirbt man sie nicht, indem man Literatur, Kunst oder Musik studiert. Das Studium soll lediglich Techniken lehren, die schon mal angewendet wurden, in der Vergangenheit. Das Handwerkliche, ein Rüstzeug. Mehr nicht. Was das eigene Talent daraus macht, bleibt so individuell, wie das Talent selbst.
Ich finde es unglaublich interessant, mir jetzt den theoretischen Unterbau meiner spontanen Poesie und meiner Liedern (Lyrik!, schau an…) anzulesen. Angeblich bin ich dem „akzentuierenden Versprinzip“ verhaftet.
Natürlich kann man Poet werden indem man erst mal die Regeln lernt und sie dann wie in einem Puzzle anwendet. Wie gesagt, eine Sache des Talents und des persönlichen Geschmacks.

Meine Poetik #2

 

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Die Schönheit, die Aussage und der rhythmische Kontext muss für den Leser erkennbar sein. Auch für den nicht geschulten Leser, den sogenannten „einfachen“ Menschen oder den „Durchschnitts-Bürger“. In dieser Kategorie sieht sich allerdings niemand von uns beheimatet, und doch gehören wir alle Nicht-Fach-Leute dazu.
Alle andere sogenannte Poesie, die unverständlich ist, von echter Lyrik nicht einmal zu sprechen, ist nichts anderes als Selbst-Bespiegelung. Um kein anderes Wort zu benutzt.

Ich persönlich mag Enzensberger und seine Vorlesung „Wie Poesie entsteht“. Fabienne, mein Literatur-Wissenschaftlerin-Töchterchen hat sie mir gemailt, als sie meine Paratexte zu „der gesang der zikade“ sichtete. Ich war erfreut, mich darin wieder zu finden.

Agrammatikalischer „Versuchspoesie“? Nein, Danke, nicht unbedingt. Solch geartete Tätigkeiten übt man allein mit sich selbst aus.
Allerdings versucht so mancher …Poet, seine lyrische Selbstbeschäftigung mit den Mitbürgern zu teilen. Das führt dann, im besten Fall, zu Äusserungen wie: „Wovon spricht der eigentlich?“ Oder aber leider auch zu: „Was für ein Genie!“ Denn man sagt sich: „Besser so, als einzugestehen, dass ich nichts verstanden habe. Die Dame im echten Pelz neben mir klatscht ja auch. Und der so intellektuell aussehende Herr ebenfalls…., Moment, wer ist das schon mal?“

Schluss mit der Polemik
Aber, das mußte jetzt raus!
© jmpg 15-04-15