Aphorismen

Wenn ein Aphorismus eine Sentenz mit Unterschiedszusatzqualifikativ ist, dann sollten wir erstmal das Wörtchen Sentenz definieren. Und ja, hallo, was ist ein Unterschiedszusatzqualifikativ?

Wissen Sie was? Ein Aphorismus ist das, was Sie und ich daraus machen.

Ich schreibe, Sie lesen, und beide lachen wir darĂŒber.

Ich muss aufpassen, dass mich die Sinnlosigkeit nicht einholt. Es ist nicht gut, wenn der Kampf vorbei ist. Der Frieden macht die Sinnlosigkeit der Existenz erst richtig erkennbar. Im Kampf ums Überleben vergisst man, weshalb man ĂŒberleben will.

Ich will mich nicht anpassen.
Weil ich so immer wieder eine Ausrede fĂŒr mein Scheitern habe.

Wer sich von Bildern beleidigt fĂŒhlt, dessen Glaube kann nicht sehr tief sein.

Das Geschenkte erfreut Das Erarbeitete macht selbstbewusst

Das Perfekte ist das, woran ich mich stets messe. Ich verliere regelmÀssig.

Ich bin sehr wÀhlerisch hinsichtlich der RealitÀt, die ich akzeptiere.

Die ObrigkeitsglĂ€ubigen sind die Bausteine der Diktatur. Die ObrigkeitsfĂŒrchtigen deren Mörtel.

Es gibt Menschen die leben ohne RĂŒcksicht auf Verluste. Vor Allem, ohne RĂŒcksicht auf die Verluste der Anderen

Ich bin Pfarrer geworden. Weil mir au der Kanzel niemand widerspricht.

Maßstab

Ich bin mein eigener Maßstab. Was kann ich, was tu‘ ich, wo steh ich. Diesen Standpunkt zu verteidigen erfordert manchmal sehr viel Unaufrichtigkeit.

Ambitionen können sehr wichtig sein im Leben. Unbestreitbar aber lebt man ruhiger ohne.

Der Abstieg beginnt in dem Augenblick, in dem ich dankbar dafĂŒr bin, dass jemand Anders die Verantwortung ĂŒbernimmt.

Alles wird einfacher, wenn man sich schuldig bekennt. Meistens liegt man dann sogar richtig. Und es ist leichter, Gott um Vergebung zu bitten, als um Anerkennung.

Was haben wir im Paradies eigentlich gegessen? Tiere können es wohl nicht gewesen sein, geht ja sowas von gar nicht. Aber Pflanzen sind ja auch Lebewesen, irgendwie, von daher hab ich jetzt ein Problem.

Und wie ernÀhrten sich die Tiere im Paradies?

Oder war es etwa gar keines fĂŒr sie?

Und wer machte die Gartenarbeit?

Fragen ĂŒber Fragen die niemanden interessieren. Und doch entscheiden sie darĂŒber, ob ich ins Paradies will oder nicht. Also, solange nicht wenigstens die Sache mit der Gartenarbeit geklĂ€rt ist….!

03-01-13

Wie immer, wenn ich Fragen habe, ist der alte Herr da oben auf Dauerurlaub oder geht nicht ran.

Religion ist die Perversion des Glaubens.

15-01-13

Verachtung ist das EingestÀndnis, nichts Àndern zu können.

Sei’s drum! Sie verhindert das MagengeschwĂŒr!

Das Leben ist interessanter, wenn man nicht so viel weiss. Bei jedem dummen GesprÀch erfÀhrt man Neues.

Kein Wissen, keine Erfahrung und keine Intelligenz wird dem Alten nutzen, wenn die Jugend ihre Ignoranz ĂŒber ihm ausbreitet.

Er wird ĂŒberrollt werden, wenn er nicht das Geld hat, sich abzuschirmen.

Ich habe nichts dagegen ein durchschnittlicher Mensch zu sein. Man mĂŒsste bloss das allgemeine Niveau etwas anheben.

Es gibt keine SchÀtze. Es gibt nur Sachen, die der Nachbar hat und du nicht.

Es ist nicht die Arbeit an sich, die fĂŒr den Menschen wichtig ist, sondern das Bewusstsein, gebraucht zu werden.

Wirklichkeit

In der eigenen kleinen Stube ist alles so schlĂŒssig. Draußen weht der Wind der Wirklichkeit

09-04-13 13h15

Besoins

Elle a besoin de limites. Pour s’y adosser. L’horizon n’a pas de limites. Elle n’aime pas la mer.

Wenn es den BĂŒrgern von Wahl zu Wahl besser gehen soll, wie schlecht muss es ihnen denn heute gehen, damit es ihnen jedes Mal besser gehen kann?

Ich beisse ins Gras, weil ich mir den Salat nicht mehr leisten kann.

Die Redner-TribĂŒne des AufrĂŒhrers hat die gleiche Höhe wie der Scheiterhaufen.

Es ist nicht die Arbeit, die mĂŒde macht. Es sind die EnttĂ€uschungen

Politik ist die Kunst, EindimensionalitÀt als Pluralismus zu verkaufen.

Psychotherapie?

Der Versuch, mit guten Worten etwas zu erreichen, wofĂŒr man keine Pillen hat.

Eine systemgeprÀgte Intelligenz ist eine bornierte Intelligenz.

Der schlimmste Gegner ist das Mittelmaß.

Die Idee Gottes ist universell. Die Religionen sind beliebig. Sie sind zeit-und kulturabhÀngig. Ihre Werte auch.

Nicht einmal die Idee der Unversehrtheit der eigenen Existenz ist dem Menschen heilig.

Alles VergÀngliche kann in Frage gestellt werden. Da Gott weder Anfang noch Ende hat, ist er die einzig unantastbare Idee.

Vielleicht bin ich nicht religiös genug, im Sinne der jeweiligen Religionsvertreter, um BerĂŒhrungsĂ€ngste mit AndersglĂ€ubigen zu haben. Ich habe kein Problem damit, in einer Moschee zu beten, wenn man mir zeigt, wie ich das umsetzen soll, oder in einer Synagoge oder einem Hindu-Tempel. Auch mit animistischem Glauben kĂ€me ich klar. Wenn es allerdings zu restriktiv wird, dann nehm ich diskret die HintertĂŒr.

Die tÀgliche administrative Routine artet in einen Full-time-job aus.

Rauchende Colts in meinem Hirn…

Januar 2014

Ich hab‘ es in Wirklichkeit nicht so mit der Demokratie, wenn es um die andern geht. Das sogenannte Volk ist mir einfach zu naja. Jedenfalls der grĂ¶ĂŸte Teil davon.

Ob ich fĂŒr eine Oligarchie wĂ€re, hĂ€ngt von meiner Stellung in derselben ab.

Geht es um einen ÎŹÏÏ‡ÎżÎœÏ„Î±Ï‚, dann bin ich eher der ÎŹÎœ-ÎŹÏÏ‡ÎżÎœÏ„Î±Ï‚, der Anarchontas

Glauben

Als ich zu faul wurde, ĂŒber unlösbare Fragen nachzu denken, fing ich an, zu glauben.

Seither brauch ich keine Antidepressiva mehr

J’ai passĂ© tant d’heures Ă  Ă©couter sans broncher les bĂȘtises de gens imbus de leur personnes, que je me dois de passer mes heures tardives Ă  faire rayonner les miennes

Besançon, 23-02-14

Presse le pas

Tombe la pluie
Presse le pas
Entends-tu
Mon sang qui se bat

À travers mes veines
D’un bon Ă©lan
Vers l’aube prochaine
D’un Ă©tĂ© naissant

Je n’ai pas
Trouvé refuge
Avant que n’advienne
Le dernier déluge

Presse le pas
C’est bientĂŽt fini
Le peu qui me reste
Encore de ma vie

Le peu qui me reste
M’est si prĂ©cieux
Que je m’y accroche
N’en dĂ©plaise Ă  Dieu

Que je défie
L’homme et les Cieux
Si je m’enfuis
C’est bien devant eux

Der Zug

oder:
Es wird nicht besser mit der Zeit
18-05-14 zwischen Köln und Trier

Ich sah mich mal von hinten
Den Gang
Entlang
Torkeln
Die Hosen hochgezogen
Bis unter meine Brust
Mein RĂŒckgrat hatte sich
VerkĂŒrzt mein Becken
Stand in Höhe meines Herzens
Und meinen kurzen Nacken
Gab es gar nicht mehr

Die kleine Lily sagte Onkel
Hast du schon immer so geschaukelt
Wenn du dich mal
Nicht festgehalten hast

Ich sagte Lily meine SĂŒĂŸe
Das ist der Zug
Das ist der Zug

Die RegelwÀchter

Muss ich der RegelwÀchter Sprache
Lernen jetzt
Wo ich erfahren hab‘
Dass es sie gibt?
Die Sprache der Regeln
Die die Sprache regeln?
Und etwa auch
Die Regeln selbst?
Poesie ist das Sprach-Bild der Seele
Ihr Spiel entsteht spontan
Um dann
Der Bewunderung anheim gefallen
FĂŒr alle Ewigkeit
In ein Regelwerk gepresst zu werden
Das man doch nur
Dem Augenblick entrissen hat
Nicht jeder ist ein Hölderlin
Wenn auch so mancher
Das Ende mit ihm teilt.

MĂ€rz 2015
In einem Anfall von Desillusion

Vorwort zu „die zeit anfassen“

Ich seh in Deinem Gesicht die Spuren unserer KĂ€mpfe.
Gegeneinander und gegen die Zeit.
UngerĂŒhrt von unserem Mut, von unserer Verzweiflung, zieht sie
ĂŒber uns hinweg.
Manchmal dreht sie sich um und schaut uns an wie ein Spiegel und
sagt, wenn wir erschrecken und uns nicht mehr wiedererkennen:
„Was habt ihr denn geglaubt? Nur ich vergehe und bin doch
alterslos. Ich fresse euch, ich verschlinge euch, soviel ihr euch auch
wehrt.
Und doch seid ihr meine Kinder: die Kinder der Zeit.“
(Auszug aus: Ich schwöre bei Apollon)
Es wabert. Schwarz. Schwarz-weiss-schmutzige Schwaden ĂŒber dem
noch schwÀrzeren Moor. Ich wehre mich, es ist ein intellektueller
Kampf, kein emotionaler, obwohl es darum geht, die Traurigkeiten,
die aus der Vergangenheit aufsteigen, abzuwehren. Nicht meine
eigenen TrÀnen verfolgen mich, sondern die, die ich verursacht habe.
Mit nĂŒchternem, wĂŒtendem Wollen gegen diese klebrigen Finger der
Erinnerungen, nicht so einfach, wenn man sich nichts anmerken
lassen will.
Meine Bilder fĂŒr Euch, meine Stimmungen, Ängste und
Hoffnungen, mein Pfeifen im Wald, mein Anschreien gegen die
Brandung
die alles wieder anspĂŒlt, was ich getan habe. FrĂŒher.
Denen, die mich liebten. Und es vielleicht heute noch tun. WĂŒrden.
Wenn


Wenn und wÀre


Wenn jeder Blitz in meinem Geiste
Ein Geistesblitz wÀr
Ein jedes Wort aus meinem Munde
Ein Geschenk
Und jeder Punkt aus meiner Feder
Der Schönheit allerletzter Schluß
So schön daß sich die Musen schĂ€mten
Und um mich buhlen mĂŒssten
Weil Apoll selbst
Mein heimlicher Verehrer wÀr'

Dann wĂŒrde ich
Mit Gott gegen die Welt
Wie man so sagt vor allem aber
Gegen die Kultur die wabernde,
Die Buchstaben-Akrobaten
Im Schweiße ihrer Not, die
Verleger der AuserwÀhlten
Gegen die Schönredner
Der bedeutsamen Leere und gegen
Die Seeligsprecher
Der Erbberechtigten
Ihrer selbst

Dann
Ja dann...
Aber hallo vielleicht Gott sei Dank
Ist dem nicht so

Lieder, Chansons, Songs

und manchmal auch sakrale Musik

Dies ist der Refrain eines Chansons („Danse autour“), das sich mit den Strophen schwer tut

Danse autour, tout autour, tout autour
LĂšve les bras tout autour, tout autour
Tes cheveux flottant dans le vent
Qui te tourne Ă  son tour
Tout autour (le tout 2x)

Tes yeux brillants
Qui suivent le manĂšge tournant
Tes dents blanche-neige
Qui mordent tes lĂšvres rouge-sang
Tes yeux brillants
Qui suivent le manùge tournant


Danse autour


Is it really all over now, baby blue?

Es geht uns so gut, daß wir offensichtlich nichts mehr dĂŒrfen dĂŒrfen. Und jeder, dem es nicht so gut geht, hat rechtliche AnsprĂŒche an uns, denen wir uns nicht verwehren dĂŒrfen. DĂŒrfen!
Weil Alle, aber auch wirklich Alle, -ob in unseren LĂ€ndern geboren, oder von wo auch immer und aus welchen GrĂŒnden auch immer zu uns kommend, legal oder illegal – das selbe Recht auf dasselbe Luxusleben haben dĂŒrfen, aber auch haben mĂŒssen. Sagen wir. Also, einige von uns.

Ganz gleich auch welche Vorgeschichte, welches Vorleben, bedroht oder nicht, ganz gleich welche kognitive PrĂ€gung sie haben und aus welcher kulturellen Gesellschaft auch immer sie kommen und welche archaĂŻschen und Menschen/Frauen-verachtenden Überzeugungen sie mitbringen, sie fordern erstmal, ganz ungeniert und sehr oft voller Aggression. Ganz gleich welchen Unwillen sie an den Tag legen, sich den Menschen anzupassen, in deren LĂ€ndern sie mit Hilfsbereitschaft aufgenommen werden. Unbesehen auch des Neides, der sie, verstĂ€ndlicherweise, ergreift. Und der Verachtung, die sie gegen unsere Kultur hegen. Sie alle wollen sofort alle Errungenschaften und VorzĂŒge unserer Gesellschaft genießen. Ohne eigenes Zutun, sehr oft ohne Akzeptanz unserer Lebensweisen und ohne Gegenleistung. Geht das?

Das ist christlich, nicht wahr? Mögen die Pfaffenhasser jetzt auch noch so pesten. Das ist human, sagt man. Das besĂ€nftigt die SekulĂ€ren. Sei’s drum.
Das ist Irrsinn, sagt das Volk in seiner Mehrheit. In sÀmtlichen LÀndern inzwischen. Warum?

Der Grund dafĂŒr, daß die Mehrheit der Menschen in unseren Regionen anderer Meinung zu sein wagt, als seine Verwalter, denn mehr sind sie nicht, liegt auf der Hand:

Manchmal 20% der Bevökerung, manchmal sogar mehr, leben in einer abgeschotteten, stĂ€dtischen Welt des Pseudo-Intellektualismus, pseudo, weil sie sich locker und ohne BeweisfĂŒhrung einem höheren Bewußtseins- und VerstĂ€ndniszustandes angehörig fĂŒhlen.
Sie leben eigentlich unproduktiv, weil sie nur die Leistungen anderer Menschen bĂŒrokratisch verwalten oder, schlimmer noch, interprĂ€tieren oder bewerten. Und sie sind immun den tatsĂ€chlichen und tagtĂ€glichen Problemen der produktiven MitbĂŒrgern gegenĂŒber. Eine Putzfrau ist produktiv, eine Hausfrau auch. Bauern sind produktiv, und Maurer auf dem Bau. Um nur die zu nennen. Aber auch Lehrer können produktiv sein, wenn sie ihre SchĂŒler nicht nur verwalten oder indoktrinieren.

Und dann gibt es noch diese Leute, die Milliarden von Werten in Milliardelsten Sekunden bewegen, ohne Anstand und Moral, nur um den schnellen Geldgewinn ohne tatsÀchlichen Mehrwert zu erzeugen. Das sind die SpeckjÀger auf Kosten der arbeitenden Menschheit und doch beherrschen sie sie. Sie verspielen Werte, die sie nicht erzeugt haben und die ihnen nicht gehören. Sie sitzen in Konzernen, Parteien, Regierungen, Verwaltungen und Gewerkschaften und in Luxemburg sogar im Staatsrat. Ihre Interessen sind partikulÀr und nicht der Gesellschaft verpflichtet, in der und von der sie leben.

Sie entscheiden ĂŒber das Schicksal von Millionen von Menschen, von deren HĂ€nde oder Geistes Arbeit sie ernĂ€hrt werden, ohne sich irgendwelche Gedanken ĂŒber ihre eigene Nutzlosigkeit oder gar kriminelle SchĂ€dlichkeit zu machen. Ist auch kein Thema beim 17Uhr-Gin in der City. Und wenn ihre BeutezĂŒge schief laufen, richtet es der Steuerzahler. Der, der arbeitet.
Was ist der Wert einer arbeitenden, produktiven Hand?
Was schert das den Vorstandsvorsitzenden, der fĂŒr zehn solcher Vorsitze und sein Nichtstun das tausendfache eines ehrlichen Arbeiters, Lehrers, Krankenpflegers, Arztes und Feuerwehrmannes, Landwirtes undichvergeßnochwen verdient. Mit dem Segen der verwobenen Politik.
Dann outet euch doch mal!

Die Zugereisten. Die FlĂŒchtlinge. Die Völkerwanderung…Gab es das nicht schon verschiedene Male in der Weltgeschichte?
Welche GrĂŒnde gab es? Klimawandel wegen massiver VulkanausbrĂŒche und anschließenden Hungersnöten? Dann nehm‘ ich mir halt das, was du hast? Mordlustige Warlords? Wer sichert denn deren Macht? Multikulturelle Gesellschaften im letzlich dadurch untergehenden römische Reich in einer AbwĂ€rtskaskade von Besitzenden und nach Besitz Verlangenden? Bis hin zum schlußendlichen Niemand-hat-mehr-was! Zerstört, was euch zerstört? Die Zeit lĂ€uft weiter und die Geschichte wiederholt sich.

Darwinistisch angegangen war und ist die Antwort inhuman und inakzeptabel. Wir haben es geschafft, die anderen nicht. Schaut’s daß ihr zurecht kommt. Aber: wir haben ihn uns erarbeitet, unseren Wohlstand. Wir haben ihn uns erkĂ€mpft, unseren sozialen Frieden und den Frieden ĂŒberhaupt. Mit Arbeiten und KĂ€mpfen, Irrsinn und RationalitĂ€t. HaupsĂ€chlich mit Arbeiten. Über Jahrhunderte hinweg mit abermillionen Opfern in unseren eigenen Reihen. Trotz der macht-und geldbesessenen königlichen und parvenierten WiedergĂ€ngern aller Dekaden. Wir dĂŒrfen stolz auf das Erreichte sein, wir mĂŒssen uns schĂ€men fĂŒr die Kriege und Morde, und wir mĂŒssen achtsam sein, dieses trotzdem Erreichte nicht aufs Spiel zu setzen. Darf irgendjemand, innerhalb oder ausserhalb unserer Gesellschaften uns das zum Vorwurf machen? Wir wollen schlichtwegs das Erarbeitete erhalten.
Es hat aber damals nicht funktionniert. Wird es diesmal funktionnieren? Werden wir das Erreichte aufrecht erhalten können ohne AbstĂŒrze?

Oder heißt es bald, wie mein „Freund“ Bob bereits sagte:

The vagabond who’s rapping at your door
Is standing in the clothes that you once wore
Strike another match, go start anew
And it’s all over now, baby blue

Der Text ist noch vielsagender, zeigt er uns doch deutlich daß unser augenblicklicher Wohlstand nicht unbedingt der Verdienst derer ist, die ihn heute geniessen: Take what you have garthered from coincidence… Aber das wĂŒrde jetzt zu weit fĂŒhren.

Die mehr oder weniger akzeptable Position der zu kurz Gekommenen außerhalb unserer Kontinente, die eher einer Anklage gleicht, ist einfach: unter den gleichen Voraussetzungen wie ihr, hĂ€tten wir das auch geschafft.
Die genauso akzeptable Gegenfrage unsererseits muß heißen: Warum habt ihr das denn nicht bei euch zu Hause versucht? Es waren nicht unsere kolonialistischen Untaten, die euch davon abgehalten hĂ€tten. Diesen Schuh werden wir uns nicht anziehen lassen. Eure Probleme sind genau so hausgemacht, wie es die unseren waren. Unsere Despoten und Potentaten, eure Despoten und Potentaten. Wir haben die unseren weitgehend hinweggefegt, ihr die euren nicht!

Wir sind eine christlich geprĂ€gte ErdhĂ€lfte/drittel/viertel. Christlich mit Ach und Krach. Eine lebenswerte Alternative zu dieser tiefverwurzelten Lebensansicht gibt es nicht. Die christliche Lebensweise, ernst genommen, dĂŒrften die tolerantest mögliche sein.

Aber, bis wohin kann die christliche Reaktion gehen? Sicher nicht bis zu dem Punkt, an dem wir die Grundlagen unseres Erfolges auf dem Altar der NĂ€chstenliebe opfern. Der Nazarener mag beide Wangen hingehalten haben und in manchen FĂ€llen mag er recht haben. Ökonomisch gesehen ist diese Haltung aber nicht sehr effektiv sondern tödlich. Geber und EmpfĂ€nger gehen dabei zu Grunde. Siehe oben…
Abgesehen davon gibt es die gerechtfertigte Empörung der Schaffenden.
Die, die sich Werte erschafft haben, in der Vergangenheit, möchten nicht, daß junge ungestĂŒme Idealisten das Aufgebaute aus ideologischer Verbohrtheit und Unerfahrenheit wieder abreißen. Und wegen ihrer Partikularinteressen in Parteien, Gewerkschaften und Betrieben. Tun sie aber. Wir sollten uns im Klaren sein darĂŒber, daß unsere Erfahrungen den nachfolgenden Generationen nichts nĂŒtzen.

Kulturdifferenzen anzusprechen ist aber kein Rassismus. Es geht einfach um die berechtigte Angst, nicht mehr so sein zu dĂŒrfen, wie wir sind und sein möchten, weil irgend jemand aus einer anderen Kultur, aus deren Scheitern er zu uns geflĂŒchtet ist, daran Anstoß nehmen könnte. Und auch Anstoß nimmt. Mit einer SelbstverstĂ€ndlichkeit und einer Arroganz, die uns viel zu lange sprachlos ließ. Es gilt jetzt unsere Leitkulturen schleunigst und mit Nachdruck und Überzeugung einzufordern, und mit staatlicher und gesetzlicher Monopol-Gewalt durchzusetzen. Der Nihilismus verliert immer gegenĂŒber einem starken Glauben, und mag dieser noch so primitiv sein.
Wir können uns natĂŒrlich auch zu Tode spenden und kĂŒmmern. Wenn wir dann tot sind, gibt es kein Spenden und KĂŒmmern mehr.

© jmpg 07-12-16

Ross und Reiter

Ross und Reiter

kleiner Essay ĂŒber die politische Korrektheit

Wenn wir in unseren ach so liberalen Staaten nicht endlich eine vernĂŒnftige Balance finden, zwischen Freiheit und Sicherheit, wird es sie bald nicht mehr als solche geben.
Wir mĂŒssen die linken Fabulierer mit ihrer ins Extrem getriebenen Political Correctness und ihrem Gleichbehandlungs-Wahn entschieden stoppen. Und ganz schnell stoppen mĂŒssen wir auch die, die aus den AuswĂŒchsen und den tödlichen Fehlern der liberalen Freiheitspolitik Kapital schlagen: die rechten Spinner, die mit simplizistischen LösungsvorschlĂ€gen den Weg in ein Europa der abgeschotteten, restriktiven Nationalstaaten vorbereiten. Wenn wir sie wĂ€hlen, hat das freie Europa ausgedient.
Bleiben wir allerdings beim, bis zur Satire hin ausgereizten, Gleichbehandlungsprinzip jeder Meinung, jeden Glaubens und jeder kulturellen Gewohnheiten und BrĂ€uchen gegenĂŒber, dann geht Europa genauso zugrunde. Die diversen Strömungen, denen wir uns durch Migration und FlĂŒchtligsproblematik ausgesetzt sehen, sind so nicht unter einen Hut zu bringen. Was wir im Augenblick versuchen, hat mit den Idealen der AufklĂ€rung nichts mehr zu tun. Das ist nicht mehr Renaissance, das ist Manierismus.
Carlo Strenger nennt die Lösung in seinenem Essay „Zivilisierte Verachtung“: Das aufklĂ€rerische Toleranzprinzip wieder vom Kopf auf die FĂŒĂŸe stellen. Anstatt jede Glaubens- und Lebensform kritiklos zu respektieren und ĂŒberhöhend mit Samthandschuhen anzufassen, sollte uns wieder klar werden, dass nichts und niemand gegen wohlbegrĂŒndete Kritik gefeit sein darf: Wenn andere Kulturen nicht kritisiert werden dĂŒrfen, kann man die eigene nicht verteidigen. Daran lassen es unsere Verantwortlichen missen.
Es gelten allerdings Voraussetzungen:
Das Prinzip der verantwortlichen Meinungsbildung: Den aktuellen Wissensstand in allen wichtigen Disziplinen zu berĂŒcksichtigen, und entsprechende Argumente vorzubringen. Besitzen wir alle die dazu notwendige intellektuellen Ressourcen, und wollen wir sie auch einsetzen?
Und das Prinzip der Menschlichkeit: Wir dĂŒrfen Meinungen, GlaubenssĂ€tze, Verhaltensweisen und Werte verachten, nicht aber die Menschen, die sie vertreten, selbst. Die dĂŒrfen wir mit der ganzen Strenge unserer Gesetze bestrafen, wenn sie diese ĂŒbertreten oder uns zur Gefahr werden. Wie jeden anderen auch.

Weder die vornehmlich linken, pseudolinken, grĂŒnlinken und links-liberalen Vertreter der sogenannten Political Correctness, noch die rechts-nationalen Parteien mit ihren glattgeschmirgelten Überlegenheitsdenken bemĂŒhen sich um diese echte Version des Toleranzprinzips und um die beiden Voraussetzungen zur Kritik. „WĂ€hrend viele Linke und Liberale durch die Logik der politischen Korrektheit gleichsam gelĂ€hmt sind, schwingen sich Personen wie Marine Le Pen und Bewegungen wie Pegida zu Verteidigern des Abendlandes auf.“

Dazwischen hockt der NormalbĂŒrger, hin und her gerissen zwischen Freiheitsdenken, Mitleid mit den BedĂŒrftigen und allgemeinem Anstand einerseits, und der Angst vor intoleranten, aggressiven, manchmal mörderischen und kognitiv oft wenig belastbaren Migranten, die auch noch zum Großteil keine Aussicht auf ein Bleiberecht haben, auf der anderen Seite. Dann gibt es noch, in den berĂŒchtigten Banlieus, die „radikalen Verlierer“ aus dem Maghreb, wie Enzensberger sie nannte, die bereits in zweiter und dritter Generation hier ansĂ€ssig sind, und die in ihrer Arbeitslosigkeit, ihrer Wut und ihrer Sinnsuche fĂŒr Extreme sehr empfĂ€nglich sind. Dazwischen stehen schlußendlich auch die wirklich SchutzbedĂŒrftigen.

Was nun? Es dĂŒrfte klar sein: wir mĂŒssen bei jedem Geschehen Roß und Reiter benennen dĂŒrfen, sachlich und ohne Haß zu schĂŒren. Wir mĂŒssen Angst haben und Misstrauen zeigen dĂŒrfen, wenn wir Menschen mit ethnischen Merkmalen begegnen, die zu etwaigen TĂ€tergruppen passen könnten. Vor einer Gruppe, die offensichtlich aus China oder aus Japan kommt, weiss ich, dass ich keine Angst zu haben brauche. Die GefĂ€hrder stammen aus Arabien, aus dem Maghreb, vom Balkan und aus einigen ehemaligen Ostblock-Staaten, und sehen auch so aus. Diese Erlenntnis hat mit Rassismus nichts zu tun.
Was uns prĂ€gt, ist eine elementare und genetisch im Menschen angelegte Vorsicht und eine Aufmerksamkeit, ohne die keine Spezies dieser Erde ĂŒberleben wĂŒrde. Was wir aber nicht dĂŒrfen, ist Abscheu und Hass in einem Global-Eimer ĂŒber jeden ausschĂŒtten, der nicht so ausschaut wie wir selbst.

Unsere Verantwortlichen sind jetzt aufgefordert in diesem Sinne Klartext zu reden, vor allem aber ihre unseelige, ins Absurde abgerutschte politische Korrektheit zu unterlassen, mir der sie die Menschen und ihre Ängste bloß verhöhnen. Und endlich umsichtig, und den Problemen angemessen, handeln. Jetzt.
Sonst beteiligen sie sich ungewollt an der Grablegung unserer freien Gesellschaft.

© jmpg 28-12-16

Mein Land

Dies war zeitweise ja dacht‘ ich
Mein Land
Das meine Mutter mir geschenkt mein Vater
Weinte bloß
Wenn er darĂŒber sprach
Was es fĂŒr ihn mal war

Seit dieser Inflation
Der Worte in so vielen Bildern
Stecken sie fest mir jetzt
Im Halse drin
Anstatt wie einst
Sanft
Mein Zuhause
Zu benennen

Und plötzlich
Ohne mich noch auszukennen
In meiner Welt
Weiss ich nicht mehr
Wo ich ich hier bin wo ist die Melodie
Der ich doch folgen wollte
Ein Hintergrundgemurmel nur
Das ich nicht mehr versteh‘

© jmpg 2017

Weinen können

Ich werde endlich weinen können
Wie eine Trauerweide sagt man
Crying like a willow
Solltest du einmal vor mir steh’n
Am Ende meiner Tage
Vielleicht
Um mir Adieu zu sagen

Je pleurerai des riviĂšres
Sans retenue
Und ohne Scham weil
Auch dazu
Die Kraft mir fehlen wird

Die Bilder
Der verlorenen Jahre
Werden mich niederzwingen
Im Angesicht der Zeit
Die sich
So schamlos an uns beiden
Vorbeigemogelt hat

Ich werde es nicht wagen
Dich fest an mich zu drĂŒcken
Aus Angst
In einen Traum
Hinein
Zu greifen

 

© jmpg 16-09-16

Poetik-SprĂŒche…

Poetik-SprĂŒche…als Vor-Wörter

„Jede neue Zeile ist wie eine Regieanweisung.
Die Verteilung zeigt an, wie gelesen werden soll.
Sie zeigt die Dringlichkeit an, den Gedanken- und den Atemfluß.“
(© jmpg 2014, beim Layout vom „gesang der zikade“)“

Ich mag das Wort Lyrik nicht so richtig, es erinnert mich zu sehr an die Lyra und ihre von mir so geliebten Nachfolge-Instrumente. Und allzu viele Werke, die unter dem Begriff Lyrik verkauft werden, besitzen alles andere als Musik.

Welches Spiel ist das
Alles kryptisch einzuwickeln
Versteckt man
Die eigene Seele oder doch
Die UnzulÀnglichkeit

Ich finde es unglaublich interessant, mir jetzt den theoretischen Unterbau meiner spontanen Poesie und meiner Lieder (Lyrik!, schau an…) anzulesen. Angeblich bin ich dem „akzentuierenden Versprinzip“ verhaftet…

NatĂŒrlich kann man Poet werden indem man erst mal die Regeln lernt und sie dann wie in einem Puzzle anwendet.
Ich bin aber mehr fĂŒr das Spontane. Es muß richtig klingen. In meinen Ohren. Und gut ausschauen. In meinen Augen. Und verstĂ€ndlich sein. FĂŒr meine Leser.

Das Studium soll Techniken lehren, die schon mal angewendet wurden, in der Vergangenheit. Das Handwerkliche halt, das RĂŒstzeug. Auch wenn man es nicht nutzt.

Wenn den Bildern meiner Erinnerungen eine Sprache innewohnt, derer sie sich bedienen, wenn ich auf sie treffe, dann ist es stets die Sprache des Landes und der Stadt, die diese Bilder beherbergen, und die Sprache der Teilnehmer an diesen Erinnerungen.

Quand reviennent mes souvenirs
C’est dans leur langue
Que je respire

Die Rhythmik, Komma, die Metrik (ja, ja, es ist eine Metrik), in der ich schreibe, ist spontan. Ich denke in dieser Rhythmik.

Ich denke melodiebezogen, ich kann auch aus einem Dreisilber eine Zweierbetonung machen, ohne die Rhythmik zu zerstören.

Die eigenen Gedichte in eine andere Sprache zu ĂŒbertragen, weil man es kann, ist natĂŒrlich optimal. Nur sind es bei mir dann, formal gesehen, stets zwei verschiedene Werke.

Je ne traduis pas vraiment mes poĂšmes ou mes chansons.
J’essaie de recrĂ©er les images et l’atmosphĂšre du texte original, sans pour autant me laisser encarcĂ©rer par une traduction litĂ©rale.

 

Ich habe jetzt die intersemiotische Translation fĂŒr mich entdeckt.
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NatĂŒrlich kann man das Wörtchen Poesie wörtlich betrachten und benutzen. Wird ja auch oft so gehandhabt, glaub‘ ich. Dann bedeutet es einfach „Erschaffung“.
Oder, modernisiert: „Werk“.
Bleistift, Papier und deren moderneren Alternativen sind dann schlicht die „Werkzeuge“.

Was du bist

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Bist du ein Fluss
Der ohne Scham mir
Seine Quelle zeigt
Tief eingebettet zwischen
Wald und Tal?

Eine Knospe erst
Noch trotzig fest verschlossen
Die nur zur Rose blĂŒht
Wenn man sie sanft berĂŒhrt?

Bist du ein Stern
Lichtjahreweit
Entfernt
Der jetzt
Zu meiner Sonne wird
Weil ich
Laut klagend
Deinen Namen rief?

 

© jmpg 2016 aus „Sowas wie Liebe“

Wenn du Kastanien sammelst

Ich dacht‘ ich schreib dir mal
Im Voraus denn
Es gibt dich ja noch nicht

Vielleicht hast du
Strohblondes Haar
Wie meine JĂŒngste einst
Oder die dunklen Augen
Wie Ebenholz so schwarz
Von meiner Ältesten

Du kennst mich nicht vielleicht
Hat niemand dir mein Bild gezeigt
Noch nicht einmal
Von mir erzÀhlt
Von diesem alten Querkopf
Der schon so lange vor dir hier war

Denk mal an mich
Und schau mich an
Ich mag dich sehr
Auch wenn du glaubst
Ich könnt‘ dich gar nicht kennen

Wenn du allein bist
Jedesmal
Wenn du Kastanien sammelst
Und du die Schmetterlinge jagst
Wenn du die Katze streichelst
Und einschlÀfst irgendwann
Dann bin ich da
An deiner Seite
Und bin
So stolz
Auf dich

© jmpg 2016

Die RegelwÀchter

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Muss ich der RegelwÀchter Sprache
Lernen jetzt
Wo ich erfahren hab‘
Dass es sie gibt?

Die Sprache der Regeln
Die die Sprache regeln?

Und etwa auch
Die Regeln selbst?

Poesie ist das Sprach-Bild der Schönheit
Ihr Spiel entsteht spontan
Um dann
Der Bewunderung anheim gefallen
FĂŒr alle Ewigkeit
In ein Regelwerk gepresst zu werden
Das man doch nur
Dem Augenblick entrissen hat

Nicht jeder ist ein Hölderlin
Auch wenn so mancher
Das Ende mit ihm teilt.

MĂ€rz 2015
In einem Anfall von Desillusion

Angst

Mit einem beherzten Griff könnt ich mich hochziehen
Auf den Heuschober hinauf
Ich saß gerne dort
Stundenlang
Dem Leben rundum zuzuhören


An dir kann niemand mehr sich aufrichten
Der nicht bereits die nötige StÀrke hat
Versteck die Hand nicht
An der ich mich festhalten will
Schau mir beim Hinfallen
Nicht hilflos zu


Ich winde mich
Taub geworden
Unter dem Dröhnen der Heilsglocken
Manchmal bin ich mir selbst
Nicht genug
An diesen Tagen
Der Angst
Der Angst
Der Angst

Horst Wessel revisited

Er hat noch nie
’ne Uniform getragen
Doch er marschiert
Mit ruhig festem Schritt
Er trÀgt sein FÀhnlein
Stolz und ohne Fragen
Als wÀr er der
Gewerkschaft erste Schicht

Und schreit nur wir
Nur wir sind hier die Echten
Dass wir marschier’n
Ist vornehm uns’re Pflicht
FĂŒr Volk und gegen
Die VaterlandsverrÀter
Der Presse und
Des osman’schen Geschlechts

Und gegen die
Vom falschen Volk gewÀhlten
Vertreter des
Globalen Kapitals
Gegen all die
Die mehr als ich im SĂ€ckel
Auf ihrer hohen
Betteskante ha’m

Ganz gleich warum
Ich bin ja hier geboren
Mein Vater und
Mein Urgroßvater auch
Mir steht es zu
Nur mir und niemand anderm
Sogar dann wenn ich gar nichts dafĂŒr tu

Und willst du nicht
Mit mir hier aufmarschieren
Im Geiste und
Im Blut mein Bruder sein
Dann schlage ich dir
Wie einst des Adolfs Horden
Zu Recht den ew’gen
JudenschÀdel* ein

 

 

* (ad lib: Muslim-, Kommunisten-, AuslÀnder-)

© jmpg 28-03-17

Die Vollverschleierung als gewollte Exklusion: eine Streitschrift.

Eine Antwort auf Frau Azizis Artikel im „LĂ«tzebuerger Land“ vom 18-08-17 mit dem Titel:  Atteinte Ă  la libertĂ© des femmes musulmanes.

von Jean M.P. Gilbertz

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Sehr geehrte Frau Azizi

Ich antworte Ihnen auf Deutsch, weil es sich dabei um mein Alphabetisierungssprache handelt, sozusagen die „Hochsprache“ meines LĂ«tzebuergesch. Sie schreiben auf Französisch, einer der drei offizieller Sprachen unseres polyglotten, liberalen und offenen Landes. Sie sorgen sich um Frauen, die ihre Gesichter jetzt per Gesetz in Luxemburg nicht mehr ĂŒberall verstecken dĂŒrfen. Und Sie warnen uns vor den Konsequenzen, wenn auch wissenschaftlich verbrĂ€mt. Damit schlittern wir jetzt aber gefĂ€hrlich in den Bereich der Sozialpathologie.

Ich sage Luxemburg ist ein offenes Land, und genau so offen begegnen wir uns im Alltag. Wir verstecken weder unsere Gesichter noch unsere HĂ€nde und auch nicht unsere Haare, wenn es nicht gerade regnet. Und dies tun wir zusammen mit all den anderen Millionen MitbĂŒrger/innen unseres geliebten Europa seit Jahrtausenden. Es sind Konsens und Gepflogenheiten gleichberechtigter BĂŒrger/innen untereinander, die deutlich machen wollen: hier bin ich, du erkennst mich, ich fĂŒhre nichts Böses im Schilde. Mal abgesehen von der Bequemlichkeit. Wer hier leben will, sollte sich auch dem gesellschaftlichen Konsens entsprechend verhalten. Die Ritter des Mittelalters hoben, bevor sie zu einem Tournier antraten, die Visiere an und zeigten Gesicht, nannte ihren Namen und den ihres Pferdes. Das BurgfrĂ€ulein, wie auch die Bauernsfrau, trug lediglich ein Kopfbedeckung oder einen Schleier ums Haar zum Schutz vor LĂ€usen.

Ihre Behauptung, gnĂ€dige Frau, muslimische Frauen wĂŒrden sich aus religiösen GrĂŒnden vollverschleiern, lĂ€ĂŸt den Propheten lediglich den Kopf schĂŒtteln. Davon hat er nie etwas gesagt. Ich hab‘ mir die MĂŒhe gemacht, das nachzulesen, Sure fĂŒr Sure. Es gibt keine solche Vorschrift im gesamten Koran.
Ihre zweite Behauptung, die Damen wĂŒrden diese Verschleierung freiwillig tragen, aus eigenem Willen, muß ich selbst mit einem KopfschĂŒtten quittieren: die muslimische Frau ist in ihrem gesamten Willen und Wollen ihrem Mann, Vater, Bruder, Onkel, Sohn, Freund und wem noch immer, sei es nur ein Mann, unterworfen. Das allerdings steht so im Koran. Und nicht nur versteckt in einer verlorenen Zeile einer verlorenen Sure.

Sollten Ihre Studien wissenschaftlich belastbare Zahlen hinsichtlich divergenter Motivationen zum Tragen der Vollverschleierung zu Tage bringen, wĂŒrde ich sie mir gerne anlesen. Ich zweifele erheblich an einer relevanten Zahl emanzipierter, geschiedener Voll-SchleiertrĂ€gerinnen jenseits der abgeschlossenen PubertĂ€t. Aber Sie wissen selbst, wie empirisch soziologische „Studien“ sein können.

Seine IdentitĂ€t sucht und findet man nicht, indem man sich gegen eine Gesellschaft, die sich seit Jahrhunderten geformt hat und in der man leben möcht, auflehnt. Und dies nur weil man aus einem völlig fremden Kulturkreis kommt, in dem man bereits, aus welchem Grund auch immer, nicht mehr leben konnte oder wollte. Und jetzt weder mit sich selbst noch mit seiner neuen Umgebung zurechtkommt. Die IdentitĂ€tssuche gelingt weder mit symbolischen, noch mit gewalttĂ€tigen Demonstrationen. Diese AnsĂ€tze sind, mit Verlaub, Madame, therapie- und nicht erklĂ€rungs- und sicher nicht entschuldigungsbedĂŒrftig.
Lesen Sie sich an, was im Loretto-Damenschwimmbad Freiburg im Breisgau passiert, wenn ganze Autobusse mit muslimischen Frauen aus dem französischen Elsaß anreisen, und diese Frauen dann sehr aggressiv ihre Vorstellungen von „Toleranz“ und „Zusammenleben“ im Sinne des vor 1300 Jahren lebenden Mohammed gegen die einheimische (weibliche) Bevölkerung, durchsetzen wollen. Dieselben Vorkommnisse werden aus der Schweiz gemeldet. Atteinte Ă  la libertĂ© des femmes musulmanes? LibertĂ©? Der Förderverein im politisch grĂŒnen Freiburg hat in einem Brief Saudi-Arabien aufgefordert, doch bitte ein muslimisches Frauenbad im Elsaß zu finanzieren. Eine Antwort steht aus.

Vollverschleierung muslimisch geprĂ€gter Menschen oder auch andere Trotzreaktionen gegen die Integration in christlich geprĂ€gten LĂ€ndern, die sie aufgenommen haben und die sie verpflegen, sind durch nichts zu rechtfertigen. In Zeiten von „islamisch“ durchwobenen Morden, „Ehrenmorden“ (horribile dictu!) und Terror in unseren Breiten, ausgefĂŒhrt von Menschen, die aus muslimischen Breiten stammen, und die sich bewußt ethisch und gesellschaftlich abgrenzen auch noch „soziologisch“ kaschierte Warnungen mit UniversitĂ€tsadresse an mein tolerantes Luxemburg zu versenden, das, Madame Azizi, das geht gar nicht und hat mit Wissenschaft nichts zu tun.

Dr. med. Jean M.P. Gilbertz (mit Titel, wegen der Sozial-Pathologie)

P.S.

Wenn Sie soziologische BegrĂŒndungen fĂŒr die Integrationsunwilligkeit und den von muslimischer Seite sehr aggressiv herbeigelebten „Kulturkampf“ suchen, dann sollten Sie sich auf das Terrain der Geschichtssoziologie und der vergleichenden Religionswissenschaften begeben.

Der Islam, oder vielmehr die Fehlentwicklungen, die aus dessen Glaubens- und StaatsverstĂ€ndnisses hervorgehen, bedrohen inzwischen die ganze Menschheit. AnsĂ€ssige mit Migrationshintergrund, die bereits hier geborenen und gross geworden sind, sind aber nie richtig in unserer Gesellschaft angekommen, vielleicht weil sie sich hin und her gerissen fĂŒhlen zwischen den Werten eines mittelalterlichen patriarchalen Islam, den ethische Vorstellungen also, die ihnen ihre Eltern vermittelt haben einerseits, und den freien Entfaltungsmöglichkeiten des Individuums in den Demokratien der westlichen Welt andererseits.
Die Frau in unseren Breiten ist (wenigstens theoretisch) dem Mann gleichberechtigt und kann ihr Leben selbst bestimmen. Allein dieser Unterschied rĂŒttelt am SelbstverstĂ€ndnis und SelbstwertgefĂŒhl des islamischen Mannes, der es gewohnt ist,  in seiner Familie die letzte Instanz zu sein. Auch der grĂ¶ĂŸte menschliche und gesellschaftliche Versager bleibt das zu achtende Oberhaupt der Familie. Sein Wort gilt. Seine Frau und seine Töchter glaubt er verschleiern zu mĂŒssen, um sie vor den lĂŒsternen Blicken anderer MĂ€nner zu schĂŒtzen. Er bestimmt allein, wo sie wann und mit wem unterwegs sind. Eine verquere Logik, die unterstellt, dass alle (zumindest islamische) MĂ€nner unter einem unkontrollierbaren Sexualtrieb leiden und, logischerweise, alle (zumindest islamische) Frauen potentiell „unanstĂ€ndig“ sind, wenn sie unbeaufsichtigt sind.
Vergewaltigungen, wie sie in Indien an der Tagesordnung sind stehen hier nur insoweit zur Debatte, als daß eine unverschleierte, sich unziemlich-westlich kleidende und gebĂ€rdende Frau, dieser Logik entsprechend, die eigentliche Schuld am „Geschehen“ trĂ€gt. Welch entsetzliches, erbĂ€rmliches Welt- und Menschenbild. Und welch minderwertiges SelbstverstĂ€ndnis und SelbstwertgefĂŒhl.

(Cf http://www.jmpgilbertz.com Essays in Literatur und Gesellschaft on WordPress)

GeschwÀtz ohne Rechthabeanspruch

âș   Schutz vor etwas
ist keine Ausgrenzung von etwas.
© jmpg 05-02-17

âș   Bin ich automatisch ein Populist, wenn ich die bestimmenden Eliten kritisiere? Sicher nicht! Ich bin ein Populist, wenn ich vorgebe, diese Kritik im Namen des Volkes vorzunehmen, im Namen des gesamten Volkes.
© jmpg 04-02-17

âș   Einem Teil des „Volkes“, lateinisch „Populus“ genannt, nach dem Mund zu reden, kann zwar opportunistisch und auch verlogen sein, oder in betrĂŒgerischer Absicht erfolgen, es ist aber nicht populistisch. Sonst wĂ€re auch eine mit demokratischer Mehrheit gewĂ€hlte Regierung automatisch populistisch.
Nicht jede Kritik am Bestehenden, die von einem Teil der Bevölkerung getragen wird, ist deshalb „populistisch“, im europĂ€ischen Negativ-Sinn.
Populistisch ist erst der moralische Messias-Anspruch mit Ausgrenzung der Andersdenkenden ohne Dialog.
Wenn dieser moralische Alleinvertretungsanspruch zu einer demokratischen Mehrheit fĂŒhrt, die ihre exklusiven Vorstellungen auch exklusiv ausfĂŒhrt, dann hat unsere pluralistische Gesellschaft ein Problem: sie hat faktisch aufgehört zu existieren. Aber was heißt schon „faktisch“ in Zeiten, in denen es angeblich „alternative Fakten“ gibt.
© jmpg 05-02-17

DarĂŒber hinaus gibt es noch einen Unterschied zwischen“populus“ und „plebs“. Das erstere war die gesamte BĂŒrgerschaft Roms, das letztere bezeichnete die Pleb-ejer im Gegensatz zu den Patriziern.

In diesem Unterscheidungssinn wĂ€ren die „Popul-isten“ eigentlich „Plebej-isten“.
Bedenken sollten wir alle, daß es Demokratie ohne Pluralismus nicht geben kann. Niemand kann „das Volk“ vertreten, der nicht auch die Eliten einschließt. Aber auch die „Eliten“ vertreten nicht das „Populus“, wenn sie die „Plebejer“ ausschließen.
Unser „Plebizit“ findet ĂŒbrigens dort seinen Ursprung (wobei ich mich frage, wo da die Patrizier abbleiben…😎)

Cf auch: „Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. WĂ€re es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wĂ€hlte ein anderes?“
Bert Brecht (nach dem Gedicht: Die Lösung)

âș   Wir können auf unseren Territorien nicht fĂŒr alle die sorgen, die auf ihren Territorien nicht zurecht kommen. Unsere Hilfsbereitschaft wĂŒrde in KĂŒrze unsere Hilfsmöglichkeiten aufbrauchen und uns selbst Unserer Lebensgrundlagen berauben. Am Ende wĂŒrden wir alle mit leeren HĂ€nden da stehen, ohne denen noch helfen zu können, die unserer Hilfe wirklich bedĂŒrfen.
Es ĂŒbersteigt auch unsere Möglichkeiten, gegen jeden großen oder kleinen Diktator oder unfĂ€higen Herrscher vorzugehen, der seine eigenen Landsleute knechtet und ausbeutet, wenn die Ausgebeuteten sich nicht zusammenschließen und sich wehren. Die Gefahr, daß sie dann anderen, noch groteskeren Diktatoren zur Macht verhelfen, ist allerdings sehr groß, auch wenn wir ihnen helfen. Beispiele bietet unsere jĂŒngste Geschichte zuhauf.
© jmpg 04-02-17
Hat irgend einer von euch eine praktikable Idee?

âș   Ich habe nichts gegen Andersdenkende, wenn sie mir nachvollziehbare Argumente entgegen setzen. Oder mich falsifizieren können, und sei es nur in Teilen. Aber eben nur dann.
© jmpg 22-01-17

âș   Integration ist sich Anpassen an das Normativ.
© jmpg 22-01-17
15h23 auf meinem Arbeitsplatz 🛋

âș   Die öffentliche Ordnung muss aktiv aufrecht erhalten werden, sie bleibt nicht von alleine bestehen. Es ist ein tagtĂ€glicher Kampf an den RĂ€ndern der Gesellschaft und oft auch in deren Mitte. Wenn die relative HomogenitĂ€t der Bevölkerung im Bezug auf gemeinsame Werte und gemeinsame Lebensweise immer weiter schwindet, zum Beispiel durch Zuzug von kultur-, mentalitĂ€ts- und religionsfremden Menschen, die nur sehr bedingt eine Integration in die bestehende Gesellschaft anstreben, dann wird die öffentliche und innere und bisher normative Ordnung der Gesellschaft immer brĂŒchiger. Das SelbstverstĂ€ndnis dieser Ordnung, die bei normaler Akzeptanz mit vergleichsweise geringem Nachdruck gesichert werden kann, schwindet. Die bestehenden Sicherheitsstrukturen, die aus ökonomischen und politisch meist zweifelhaften GrĂŒnden immer weiter abgebaut werden, erweisen sich schnell als klĂ€glich unzureichend.
© jmpg 22-07-16

Die Pax Romana endete mit dem schlußendlich unkontrollierbaren Zustrom fremder (allerdings kriegerischen) Ethnien von den bröckelnden Grenzen her, wĂ€hrend im Inneren der Gesellschaft die Zwistigkeiten und RĂ€nkespiele ĂŒberhand nahmen. Nicht zuletzt auch wegen der zunehmenden MultikulturalitĂ€t in den verantwortlichen Staats-Strukturen und ĂŒber diese hinaus, wurde die Verteidigung und Aufrechterhaltung jedweder Ordnung unmöglich. Der Weg ins Mittelalter begann.

Populismus und Alleinvertretungsanspruch

Die Bedeutung des Wortes Populismus ist keineswegs erodiert. Es hat sich boß kaum jemand die MĂŒhe gemacht, konsequent darĂŒber nachzudenken. Und so wird nachgeplappert, umgedeutet und ausgedehnt was das Zeug hĂ€lt. Dabei sind die Kriteren, die Populisten erfĂŒllen mĂŒssen um als solche zu gelten, ziemlich eindeutig. Der Politologe Jan-Werner MĂŒller hat das in seinem Essay ‚Was ist Populismus extensiv zu beschreiben versucht.
Es ist nicht der politische Stil allein, der den Populisten ausmacht, die radikale Vereinfachung komplizierter Sachverhalte mittels griffiger Stammtisch-Parolen und das Anbieten einfacher, meist nicht praktikabler Lösungen. Das beherrschen die Politiker und die Gewerkschafter allesamt. Siehe BenoĂźt Hamon mit der 32 Stundenwoche und dem bedingungslosen Grundeinkommen, die weder realisierbar noch finanzierbar sind. Auch Rassismus hat nur sekundĂ€r etwas mit Populismus zu tun. Gehört aber oft dazu, um die eigenen „Reihen fest geschlossen“ zu halten, wie frĂŒher mal gesungen wurde.
Der französische Politologe J.Y. Camus knĂŒpft bei seinem LW-Interview eher an der Postmodernen an und dessen „Ende der großen ErzĂ€hlungen“ (fin des grands rĂ©cits) wie J.-F. Lyotard das nannte und dem damit verbundenen exzessiven Pluralismus und einem genau so ĂŒbertriebenen Individualismus, die beide große Ängste auslösen. Die Populisten erschaffen neue große ErzĂ€hlungen, zum „Wiedereinfangen“ des Volkes und dessen Beruhigung. Aber auch das macht den Populismus allein nicht aus.
Es fehlt das wichtigste Merkmal ĂŒberhaupt: Der moralische Alleinvertretungsanspruch.
Der Populist behauptet, als einziger erkannt zu haben, was „das Volk“ will, und diesen Willen möchte er gegen die bestehenden, regierenden Eliten/Institutionen/Gesetzgebungen durchsetzen. Die PartikularitĂ€t dabei ist, daß Menschen mit anderen Meinungen schlicht nicht zum „wahren Volk“ gehören. Alles dreht sich somit um ExklusivitĂ€t und Exklusion.
Am bekanntesten sind wohl die AufmĂ€rsche in Dresden mit der Parole: „Wir sind das Volk.“ Dieser Satz ist eindeutig populistisch, wenn er in einer pluralistischen Demokratie benutzt wird. Denn er bedeutet: „Nur wir sind das Volk“ und entspricht so dem moralischen Alleinvertrtungsanspruch und der Exklusion der Andersdenkenden. In einer Diktatur, wie sie die DDR darstellte, und wo die Parole ihren historischen Ursprung hatte, ist sie zwar immer noch populistisch, aber ĂŒberaus legitim. In unseren LĂ€ndern mĂŒĂŸte es, um nicht populistisch zu klingen, heißen: „Auch wir sind das Volk, und möchten gehört werden.“
Beispiele gibt es zuhauf. Erdoğan rief seinen Gegnern zu: „Wir sind das Volk. Wer seid ihr?“ Victor OrbĂ n meinte, seine Partei könne nicht abgewĂ€hlt werden, weil „das Volk“ nicht in der Opposition sein kann. Trump gibt „dem Volk“ die Macht zurĂŒck, wie er sagt, allein durch die Tatsache, dass er, von einer MinoritĂ€t, „erwĂ€hlt“ wurde. Dem Andersdenkenden wird einfach die moralische LegitimitĂ€t abgesprochen.
„Das Volk“ als solches gibt es nicht, es lĂ€ĂŸt sich als solches nie ganz fassen, es ist in stĂ€ndiger VerĂ€nderung. Trotz aller Manifestationen, AufmĂ€rschen, Umfragen, „shit-storms“ auf Facebook: der „wahre Wille“ des „wahren Volkes“ zeigt sich dadurch nicht. Nur durch freie Wahlen, -die ĂŒbrigens keine Veranstaltungen zum Verteilen von Blankovollmachten sind, wie Herr Asselborn das einmal angedeutet hat-, kann man den vermuteten Volkswillen in Teilen erahnen. Aber das Wahlverhalten ist in Zeiten alternativer Fakten bereits weitgehend manipulierbar geworden. Das neue EinflĂŒstern, das dem Volk suggeriert, was es denken und erstreben soll, lĂ€uft heute ĂŒber die sozialen Medien. Die Populisten haben das vor allen anderen erkannt, ganz gleich aus welcher politischen Ecke sie stammen. Es geht ihnen um die Macht, nicht um den Willen der Mehrheit der BĂŒrger. Parteien aber vertreten, wie es der Namen bereits andeutet, stets nur einen „Part“, einen Teil dieser BĂŒrger.
Der Aufstieg der selbsternannten Erlöser mit ihren einschmeichelnden Einfachlösungen beginnt mit dem oft hilflosen Schweigen der Verantwortlichen der bestehenden Macht. Unseren gewÀhlten Vertretern fehlt es meist sowohl am Global- wie auch am DetailverstÀndnis so mancher Probleme und vor allem am Mut und der FÀhigkeit, die Tatsachen so zu schildern, wie sie sind. Und die nötigen Konsequenzen zu ziehen.

Auch die Medienlandschaft in ihrer angeblichen DiversitĂ€t kann populistisch reagieren. Ich erinnere mich nur zu gut an die Kommentare in sĂ€mtlichen luxemburgischen Medien im Anschluß an das Referendum von 2015. Damals hatten fast 80% der stimmberechtigten BĂŒrger (ich vermeide mit Absicht den schwammigen Begriff „Volk“) gegen die VorschlĂ€ge der von ihnen gewĂ€hlten „Volks“vertreter gestimmt. Es folgte eine landesweite degradierende Schimpfe auf das uneinsichtige „Volk“ und eine narzistische Selbsterhöhung der „Eliten“, einschließlich so mancher Redakteure. Ohne jetzt auf Einzelheiten einzugehen. Das war meist reiner journalistischer Populismus mit „Allein-Rechthabe-Anspruch“.
Diesmal, im E-mail-GesprĂ€ch der beiden LW-Redakteure, sind SĂ€tze gefallen, die erklĂ€rungsbedĂŒrftig sind. Denn Mme Cahens Aussagen waren weder populistisch noch menschenverachtend und auch nicht aufwiegelnd oder ausgrenzend. Sie entsprachen den allseits bekannten Tatsachen und können höchstens unbequem genannt werden. Aber sie waren auch ĂŒberfĂ€llig, weil wir Ross und Reiter benennen mĂŒssen, um den wirklichen Populisten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Man darf Mme Cahen kritisieren, aus welchem Grund auch immer, und auch Herrn Schmit, man muß es aber nicht und es ist auch nicht „geboten“. Man soll es nicht „mĂŒssen“. Weil dieses „mĂŒssen“ nichts anderes wĂ€re als ein exklusiver moralischer Rechthabe-Anspruch.
Populismus ist inzwischen zu einem meist unreflektierten Totschlagwort geworden, im gleichen Atemzug mit „Nazi“ und „rechtsextrem-rechtsnational“ oder eben: „menschenverachtend“, ein Qualifikativ das man in heutigen Zeiten nicht so ohne weiteres mißbrauchen sollte. Wenn abweichende Meinungen und fundierte Kritik aber immer gleich als „populistisch“ abgetan werden, beraubt sich die Demokratie ihrer elementaren Korrekturmöglichkeiten.
Das Problem mit Provokationen, ĂŒber die hier spekuliert werden, liegt immer auch bei denen, die sich provoziert fĂŒhlen. Meistens hat der GegenĂŒber dann einen „wunden Punkt“ berĂŒhrt. Es muß sich dabei keineswegs um LĂŒgen handeln. Auch das Aussprechen anderer Meinungen und von bis jetzt aus politischen GrĂŒnden verschwiegenen Wahrheiten kann den Provozierten in Verlegenheit bringen, der dann gekrĂ€nkt und wĂŒtend reagiert. Aber auch das gehört zum pluralistischen Anspruch der Demokratie: Niemand hat einen AlleingĂŒltigkeits-Anspruch. Auch nicht Herr Asselborn, dessen Reaktionen aus diesem Grund des öfteren verdĂ€chtig in die Populismusrichtung zeigen. Auch wenn sie noch dem augenblicklichen politischen Mainstreamdenken entsprechen.

Jean M.P. Gilbertz

Bibliographie
Jan-Werner MĂŒller, ‚Was ist Populismus?‘
Robert Paul Wolff, Barrington Moore, Herbert Marcuse 1965 ‚Kritik der reinen Toleranz‘
Jean-François Lyotard, ‚La condition postmoderne‘ 1979

Poesie ist Poesie ist Poesie

Poesie
Sollte keine Geheimsprache sein
FĂŒr selbsternannte Kryptologen
Wo einer von dem andern abschreibt denn
Poesie
sollte nicht
zum RĂ€tselraten werden
Was hat sich der Autor bloß gedacht
Bilder
Soll er entstehen lassen
Und Gedanken und GefĂŒhle
Mit Worten wie Musik
Doch nicht als PuzzlestĂŒcke
Als WĂŒrfelchen
Zum Scrabblen
Als Poesie zum
Selbst Zusammensetzen
Als Denksport ohne Anleitung
UngenĂŒgend
Herr MĂŒllermeierschmitt
Sie haben am Thema vorbei geschrieben
Ich hatte Ihnen doch geraten
Mein EinfĂŒhrungsbĂŒchlein zu lesen
Viel Spaß mit meinen kleinen Texten und Liedern.
Sie werden dafĂŒr kein EinfĂŒhrungsbĂŒchlein brauchen
jmpg Mai 2014“

Auszug aus: Jean M. P. Gilbertz. „der gesang der zikade.“ Edition Octopus. iBooks.
Dieses Material ist möglicherweise urheberrechtlich geschĂŒtzt.

Dieses Buch im iBooks Store ist lesenswert: https://itunes.apple.com/WebObjects/MZStore.woa/wa/viewBook?id=951792136

Das Kreuz mit dem Kreuz

img_3045Luxemburgs Regierung ist durchsetzt von Mitgliedern der Glaubensgesellschaft AHA*. Und diese Glaubensgesellschaft (politisch korrekt „laizistische Vertreter“ genannt) wird ĂŒber unseren zukĂŒnftigen Werteunterricht und das Basiswissen unserer Kinder entscheiden.
Dabei ist die AHA selbst nichts weiter als eine letztendlich unziemlich aggressive Glaubensgemeinschaft, die alle anderen Glaubensgemeinschaften abschaffen will (wieso kommt mir das jetzt so bekannt vor?). Das Toleranzprinzip der AufkĂ€rung besagt, dass keine kirchliche, religiöse oder staatliche Instanz das Recht hat, Menschen einen Glauben aufzuzwingen. Was zum Teufel ist der Zwang, ohne jegliche alternative Wahl, zum a-religiösen Werteunterricht anderes, als ein durch die HintertĂŒr eingefĂŒhrter Glaubenszwang?
Sie glaubt nicht an höhere Wesen, das ist ihr gutes Recht. Aber sie wollen auch die Glaubensinhalte aller anderen Gemeinschaften auslöschen, und die mit jedem Glauben verbundene Hoffnungen. Das ist nicht mehr ihr gutes Recht. Was bleibt einem Menschen ohne Hoffnung?
Nur noch der darwinistische „struggle for life“, der Kampf aller gegen alle. Erstmal um zu ĂŒberleben, und dann, um möglichst gut zu leben. Rivalisierende Clans und StĂ€mme sind seit jeher entstanden, um die Chancen des Einzelnen zu multiplizieren. Sie bilden sich aus gemeinsamen Interessen heraus, nicht wegen des „Guten“ im Menschen.
Genauso kĂ€mpfen heute noch Staaten gegen Staaten, um Essen, Trinken, Wohnen, gut, besser, am Besten. Auf jeden Fall besser als der/die Andern. Die einzige „Hoffnung“, die dem Menschen bleibt ist, nicht ins RĂ€derwerk dieser glaubens- und hoffnungslosen Gesellschaften zu geraten.
Die Hoffnungslosigkeit, die gleichzeitig mit der Ausradierung des Glaubens einhergeht, dieser Nihilismus ist nur ertrĂ€glich und lebbar, wenn wir die Endlichkeit des Menschseins ausblenden. Kopf in den Sand und Scheuklappen dazu. FĂŒr die Jugend und die jungen Erwachsenen ist der Tod ein Unfall, der sie nicht betrifft, und alt sind sie noch lange nicht. Also, Augen zu und durch, weil der Nachbar das ja offensichtlich auch tut.
Es ist schwer heute, sich zu einer noch so kleinen Hoffnung zu bekennen, in einer Gesellschaft, die ja soo aufgeklÀrt ist, soo unglaublich wissend, dass sie ihre eigentliche Unwissenheit mitsamt jeglicher Hoffnung weglacht. Zumindest öffentlich. Man will sich ja nicht dem Spott aussetzen.
Wenn nur die stillen Augenblicke nicht wĂ€ren, die NĂ€chte, die Ängste, die Krankheiten, und das teuflische Älterwerden! Die neoliberale, gott-lose Welt ist laut, schmutzig, gierig, neidisch und erbarmungs- und rĂŒcksichtslos. Zeit zum Nachdenken wĂ€re fatal, darum wird auch der Urlaub durchgetaktet. Weg mit dem Glauben, weg mit den Religionen und Kirchen, her mit dem kruden, prallen, sinnbefreiten Konsum-Leben! Unsere Kinder? Sollen machen, was sie wollen!

Moral ist eine Art Gesetzgebung. Wenn sie greifen soll, dann muss sie ĂŒberwacht werden, genau wie die weltlichen Gesetze. Und es sollte abschreckende Strafen geben. In jedem Staat gibt es Straftaten, weil die Polizei nicht jeden Winkel ausleuchten und (Gott sei Dank) nicht in die Hirne schauen kann.
Wenn ein Mensch glaubt oder hofft, dann erlaubt er „Gott“, oder wie auch immer wir diese ĂŒbergeordnete Existenz nennen wollen, dann erlaubt er Gott, ihm beim tĂ€gliches Denken und Handeln zu zu schauen. Und mit diesem dann dauerhaft anwesenden Erinnerungsfinger laufen wir, moralisch integer, trotz Überschreitungen, die ja gĂŒtig verziehen werden können (auf BewĂ€hrung, heisst das dann wohl) bis hin zum Übergang (Tod) in den Zustand (Leben nach dem Tod), den wir nicht kennen und in unserer Hoffnung „Himmel“ nennen.
Sogar wenn Gott lediglich aus einem urmenschlichen BedĂŒrfnis heraus entstanden ist, warum wollen wir uns dann dieser Befriedigung berauben? Wenn wir dem Menschen das Fundament der Moral wegnehmen, die Hoffnung, und wir ihm auch noch Straffreiheit zusichern, dann bleibt ihm kein Grund, um moralisch zu handeln! Das Handeln wird zum taktischen Spiel degradiert. Zum Beispiel im Krieg, trotz Genfer Konvention, weil der Sieger die Rechtsprechung bestimmt. Deshalb heisst es wahrscheinlich auch Genfer Konvention und nicht Genfer Glauben.
Wir werden also von Kindesbeinen an lernen mĂŒssen, die ZĂ€hne zusammen zu beissen, bis sie auch im Schlaf und in den AngsttrĂ€umen knirschen, um unsere Todesahnung trostlos aber heroisch auszuschalten. Wenigstens öffentlich. Es wird nur noch ein Winterfest geben und ein Hasenfest, alle Namenstage werden logischerweise wegfallen und fĂŒr die restlichen religiösen Feiertage werden die Regierenden sich schon noch andere Namen und Ursachen einfallen lassen. Allein der Beamten wegen. Willkommen in der gottbereinigten Zukunft.
Der ĂŒberaus tolerante Sokrates war weder Atheist noch Fundamentalist. Seine Nachfolger, bis hin zu den so viel bemĂŒhten Humanisten, auch nicht. Sie waren Denker. Das unterscheidet sie deutlich von unserer Regierung, der AHA und ihren AnhĂ€ngern.

© jmpg 2016

* AHA Assoziation der Atheisten-Humanisten-Agnostiker

Denkverbote und Neurose

     Es sind nicht die, die den Finger in die Wunde legen, die uns verunsichern. Es sind die, die im finsteren Wald pfeifen und uns ob unserer Verunsicherung auch noch SchuldgefĂŒhle einreden wollen.
Wenn Mörder vermehrt sichtbare ethnische Merkmale tragen, dĂŒrfen die Opfer nicht dazu verurteilt werden, dies ignorieren zu mĂŒssen. Jeder, der diese ethnischen Merkmale trĂ€gt, muß uns verdĂ€chtig erscheinen dĂŒrfen, wenn wir, zu unserem eigenen Schutz und dem des Staates, aufmerksam sein sollen.
Es ist der elementare atavistische Überlebenstrieb, der uns diktiert, nach Erkennungszeichen fĂŒr eine mögliche Gefahr Ausschau zu halten und instinkthaft darauf zu reagieren. Dies wird umso problematischer, wenn die involvierten Ethnien in unserer Mitte leben. Ob friedlich oder nicht.
Wegschauen und hoffen, daß der Kelch bald leergetrunken ist, wenn er schon nicht an uns vorĂŒbergehen will, ist nicht sehr hilfreich, weil immer wieder nachgegossen wird. Entweder wir bemĂ€chtigen uns der Flasche, oder derer, die nachfĂŒllen. Auch wenn diese, wie wir nur zu gut wissen, in Saudi-Arabien sitzen und fleißig Salafisten heranzĂŒchten.
Es reicht auch nicht, an der Treppe zu hoffen, daß uns niemand hinunterstĂ¶ĂŸt. Wir sollten uns schleunigst angewöhnen, unsere nĂ€here Umgebung regelmĂ€ĂŸig nach möglichen GefĂ€hrdern abzusuchen. NatĂŒrlich haben die nicht notwendigerweise eine nordafrikanische, afghanische oder arabische Physiognomie. Nachahmer gibt es in allen Gesellschaften. Und die guten Muslime gibt es auch.
Das darf zwar nicht und wird auch nicht zu einer Sippenhaft fĂŒhren und auch zu keiner Vorverurteilung. Aber zu einem          Generalverdacht, den die muslimische Welt sich leider redlich erarbeitet und verdient hat, wird es fĂŒhren mĂŒssen. Mit ihren archaischen Einstellungen, ihrer Intoleranz allen Bereichen unserer offenen Gesellschaft gegenĂŒber und der Relativierung allen Geschehens, sobald es um ihre religiösen Überzeugungen geht, nĂ€hren sie unser berechtigtes Mißtrauen. Auch wenn wir nicht in Molenbeek wohnen oder in der NĂ€he eines FlĂŒchtlingsheimes, es geht um das berĂŒchtigte Zitat Mao Zedongs „Der RevolutionĂ€r schwimmt im Volk wie ein Fisch im Wasser“. In diesem Fall schwimmt der muslimische Extremist in der muslimischen Parallel-Gesellschaft, die ihn nur selten an die kuffār verrĂ€t, wenn sie ihn ĂŒberhaupt entdecken will.
Der Generalverdacht, oder soll ich sagen, die General-Angst, muslimisch aussehenden Menschen gegenĂŒber ist da, in uns drin, ob wir es zugeben und laut sagen, oder nicht. Und unsere Wut auch, als Ausdruck unserer Hilflosigkeit. Wenn wir Angst und Verdacht unterdrĂŒcken, fĂŒhrt dies lediglich zur klassischen freud’schen Konfliktsituation zwischen Empfinden und DĂŒrfen. Das Resultat, das wir tagtĂ€glich aus den Medien herauslesen und hören, ist ein völlig neurotisches Verhalten, auch der Politik, die hin und her gerissen ist zwischen RealitĂ€t und Wunschdenken.
An unseren christlichen Werten sollten wir trotzdem, unser selber Willen, festhalten. Es ist die moralische Beliebigkeit einer forciert sekulĂ€ren Zeit, die gegenĂŒber einem festen Glauben, und sei er noch so steinzeitlich, stets den KĂŒrzeren ziehen wird.
Wenn schon Aufmerksamkeit in unserer freien Gesellschaft der einzige Schutz sein darf, den den wir uns erlauben, dann sollte diese Aufmerksamkeit nicht auch noch unbedachterweise beschnitten werden.
Sollen wir Roß und Reiter nicht mehr benennen dĂŒrfen? Wer das verlangt und darĂŒber hinaus noch die Gesamtsituation zu relativieren versucht, ist nicht bei Sinnen.
Denn die BĂŒrger werden aus SicherheitsbedĂŒrfnissen heraus die VolksverfĂŒhrer wĂ€hlen, weil sie der Partei- und Medien-Besserwissereien ĂŒberdrĂŒssig sind, und weil sowohl Verantwortliche wie Opposition ihnen verstĂ€ndliche und vernĂŒnftige Antworten schuldig bleiben.
Wenn wir Gott fragen, warum er nichts gegen diesen Irrsinn unternimmt, wird er uns dieselbe Frage stellen.

© jmpg 20-12-16 trotz aller christlicher Überzeugung in ihrer Urbedeutung

DĂŒrfen wir das sagen?

imageEin Exkurs in die RealitÀt

Warum sollen wir in unseren ureigenen, seit zwei Jahrtausenden christlich geprĂ€gten LĂ€nder in der Öffentlichkeit auf das Kreuz als Symbol unserer gemeinsamen Geschichte verzichten? Und sei es nur als Schmuck um den Hals getragen?

Weil ein Pulk an bildungs- und kulturfernen, oft aggressiv intoleranten Muslimen, mit nicht selten dubiosem Migrationshintergrund, uns ihre archaischen Lebensweisen mitsamt ihren Symbolen aufzwingen will und wir das nicht wollen? Dann schaffen wir halt, tolerant wie wir sind, unsere eigenen Symbole samt dem dazugehörigen Überzeugungen gleich mit ab und stellen einem festen Glauben unsere ethischen Beliebigkeiten entgegen.
Diese Haltung löst bei den muslimischen GlĂ€ubigen nur Verachtung aus. Sie versuchen darob sich in ihren Parallelgesellschaften von uns abzuschotten. Unter praller AusnĂŒtzung aller Vorteile unseres, von uns BĂŒrgern immer schwieriger zu finanzierenden, Sozialwesens.

Sie versuchen uns die Lebensweisen ihrer zum Teil primitiven Stammes-Gesellschaften anzudienen, aus denen sie geflĂŒchtet sind, aus welchen respektablen GrĂŒnden auch immer. Gleichzeitig verweigert ein ĂŒberwĂ€ltigender Anteil dieser Menschen konsequent jeden Respekt vor den Gesetzen, und jede Anpassung an die Kultur, die GebrĂ€uche und Sitten der LĂ€nder, die sie aufnehmen und jetzt ernĂ€hren. Und das nicht nur in erster Generation.

Die nordafrikanischen Ethnien tun sich in dieser Hinsicht ganz besonders hervor. Frankreich kann inzwischen ein sehr unschönes Chanson davon singen. Deutschland in zunehmendem Maße auch. Nicht zuletzt den afghanischen Migranten bleibt unsere westliche Welt weitgehend unverstĂ€ndlich. FĂŒr eine schnelle Anpassung fehlen, herkunftsgemĂ€ĂŸ, die kaum entwickelten kognitiven FĂ€higkeiten.

Zum neuronalen Überschreiben der prĂ€genden Strukturen mit den Werten, Erfahrungen und Kenntnissen, die zum VerstĂ€ndnis unserer weiter entwickelten Welt nötig wĂ€ren, fehlt, von Seiten der Migranten her, meist der Wille sowie die Erkenntnis der Notwendigkeit dieser Lernprozesse. Das Festhalten an dem bereits frĂŒher Erlernten und dessen Verteidigung gaukelt der zugereisten Gruppe eine trĂŒgerische StĂ€rke vor.

Von unserer Seite her fehlt nicht minder der Wille, auch weil die benötigte Zeit genauso Geld kostet, wie die noch nicht vorhandene Logistik. Geld, das dann nicht mehr fĂŒr den Eigenbedarf zur VerfĂŒgung steht. Und es fehlt an Geduld, wenn sich Fortschritte nicht zeitgerecht einstellen, und die zunehmend wahrgenommene Weigerung oder UnfĂ€higkeit der Einwanderer sich anzupassen erklĂ€rt unsere zunehmende Ablehnung ihnen gegenĂŒber.

Die Angst vor einem langdauernden, schleichenden und auch wachsenden Ausfransen unserer bestehenden Ordnung und unseres gesetzlich geregelten Zusammenlebens durch sich ausweitende Übergriffe der Zugereisten tut ein Übriges.
DarĂŒber hinaus ist es ja nicht so, dass wir in einem konfliktlosen sozialen Schlaraffenland leben wĂŒrden, in dem es fĂŒr jeden Autochtonen Arbeit und Geld im Überfluß gĂ€be. Auch sollten wir nicht vergessen, dass eine beachtliche Menge der Basisprinzipien die unser Zusammenleben ermöglichen, lediglich einen bestmöglichen Kompromiß darstellt und darĂŒber beileibe keine Einstimmigkeit herrscht. Jede Gesellschaft lebt, entlang des evolutiven Wandels seiner Werte, im besten Fall im prekĂ€ren Gleichgewicht des Konsenses.
So gesehen stellt der fordernde zugereiste Fremde eine vermutlich tatsÀchliche Bedrohung dar.

Es gibt kein Multikulti-Europa und es darf auch nie eines geben, es wĂ€re das Ende jeden sozialen Friedens. Es kann nur ein freiwilliges Zusammenleben und Zusammenarbeiten geben, in gegenseitigem Respekt. Einen Zusammenschluß von pluri-ethnischen Nationalstaaten also, mit ihren jeweiligen Leitkulturen, welche in Europa alle christlich-humanistischen Ursprungs sind und daher dem gegenseitigen BasisverstĂ€ndnis nicht im Wege stehen. Vom Nordkap bis zum Felsen von Gibraltar.

Alle diese Aussagen haben nichts mit Rassismus zu tun und auch nichts mit Intoleranz. Oder Überlegenheitsdenken. Oder gar mangelnder Empathie. Sie richten sich auch nicht gegen unsere Pflicht, HilfsbedĂŒrftigen zu helfen. Gerade unsere christlichen Wurzeln halten uns dazu an.
Diese Aussagen beschreiben nur die nĂŒchternen Tatsachen, ohne RĂŒcksicht auf die verschiedenen politischen Machtspielchen von Regierenden und diversen NGOs, denen die einfachen BĂŒrger tagtĂ€glich ausgesetzt sind. Die Presseprodukte spiegeln diese versteckten Kabalen zwangslĂ€ufig wieder, jedes seiner Couleur entsprechend. Eine fĂŒr jeden verstĂ€ndliche, ideologieunabhĂ€ngige Moderation, in Wort und Tat, findet nicht statt. Das aber wĂ€re die Voraussetzung fĂŒr einen humanen und gleichzeitig vernĂŒnftigen und fĂŒr jeden annehmbaren Umgang mit dem heutigen Migrationsproblem.
Leider verstecken sich hinter so manchem Gutmenschtum allzuoft bloß uneingestandene Partikularinteressen. Im Einzelnen und in der (politischen) Gruppe. Zum EntzĂŒcken aller einfĂ€ltigen Populisten. Schön wĂ€re es, könnten wir den AnfĂ€ngen wehren. Aber dazu bedarf es der Wahrheit!
© jmpg 15-09-16

Wie Poesie entsteht

„Wie Poesie entsteht

Ich setze mich nicht um acht in der FrĂŒh an den Schreibtisch oder am Nachmittag um zwei und sage: Jetzt schreib‘ ich ein Gedicht. Ein Gedicht schreibt sich, es kĂŒndigt sich an, mit Wortfetzen, Rhythmen und Bildern. Erst dann fang ich an, darĂŒber nachzudenken. Handwerkliche Erfahrungen kommen hinzu, Versuche entstehen, immer noch im Kopf, und ich hoffe, die ersten Zeilen nicht zu vergessen.
Ich fange an zu schreiben, es drÀngt sich mir auf, ganz gleich, wo ich bin. Ich trage auch stets das zum Schreiben Nötige mit mir herum, oft Bleistift und Papier. Oft aber auch mein kleines Alleskönner-Telefon mitsamt seiner Notenschreibmaschine.
Chansons entstehen auf Ă€hnliche Art und Weise. Manchmal steht am Anfang ein kleines Melodie-Fragment, das in meinen inneren Speichern nach Worten und SĂ€tzen mit melodischen und rhythmischen Ähnlichkeiten sucht. Manchmal verlangt ein melodischer oder rhythmischer Satz nach einem tragfĂ€higen Weg, einem Flussbett Ă€hnlich, das er entlang fließen und in dem er sich ausbreiten kann. Auch hierbei entstehen die Melodien zuerst im Kopf, samt ihrer Notation, bevor ich sie aufzeichne. Ich suche nie aktiv nach Worten, die Worte finden mich, und genau das Gleiche tun die Melodien.
Ich bin kein Sprach-Anatom, Gott bewahre, und möchte nie einer werden. Ich habe die Anatomie des Menschen studiert, mit heißem BemĂŒh’n. Ich hab‘ die sterblichen Überreste seziert, bis nur noch ein Gerippe ĂŒbrig blieb. Weil es mir helfen sollte, ihn bis in sein Innerstes hinein kennen zu lernen und ihn zu heilen, den Menschen. Die Sprache muss ich nicht heilen, sie ist ja nicht krank. Ich wĂŒrde es auch nicht mögen, sie auseinander zu nehmen, um sie dann wieder neu zusammen zu setzen. Vielleicht wĂŒrde niemand sie wieder erkennen. Ich möchte, dass sie mich liebt, die Sprache, so wie sie ist und so, wie ich sie liebe. Ich möchte in sie eindringen und ich möchte, dass sie sich in mir ausbreitet, von sich aus. Beim Gedanken, sie zu sezieren, schaudert’s mich.
Wenn Eindringen und sich Ausbreiten mit Liebe zu tun haben, dann bedeutet Sezieren… Zerstören. GefĂŒhle werden entweiht, der Zauber verfliegt, Farben verlaufen und was Musik war, wird zur Kakophonie. Wort-TrĂŒmmer, zerrissene Partituren, kein Sehen, kein Hören und kein Verstehen mehr. Ein Buchstabenmeer in einem autistischen Raum. Das Ich bleibt im Ich gefangen und das Du hat jede Bedeutung verloren.
Das ist nicht meine Poesie. Liebe, GefĂŒhle und Schönheit kann man nicht nĂŒchtern hinterfragen, ohne Gefahr zu laufen, sie umzubringen.“

Auszug aus: Jean M. P. Gilbertz. „der gesang der zikade.“ Edition Octopus. iBooks.
Dieses Material ist möglicherweise urheberrechtlich geschĂŒtzt.

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Politik: alles zum Wohle der Polis

Politik ist der Kampf um Meinungen, um Überzeugungen, oder, noch schlimmer, um die einzig gĂŒltige Wahrheit im Dorf und im Erdenkreis.
Manchmal geht es auch nur um mehr Geld.

© jmpg 18-05-16 um 14h51, nach einem Lachsbrötchen, einer halben Melon de Cavaillon und einer Tasse Kaffee. Warum ich keinen Blanc de Blanc dazu getrunken habe, kann ich auch nicht erklĂ€ren.“

Es geht nicht um die Polis und die Res Publica, es geht um das Sagen und den eigenen saccus sestertium

Wer aus ehrenwerten Motiven heraus Politik macht, muss ein Spinner sein oder ein Heiliger, glaubt er doch, er könne die UnvernĂŒnftigen belehren und die UnanstĂ€ndigen bekehren.

Politiker, die nur Politiker sind, sollten ihre eigenen BeweggrĂŒnde des öfteren hinterfragen. Das sollten wir auch tun.

Politiker, die ausser Gesetzestexten und Àhnlichen Variabeln nicht auch noch etwas Produktives gelernt haben, sollte man im Auge behalten. Vor allem aber ihrer Entourage.

Kann denn niemand vernĂŒftige Politik machen, ohne festgezurrtes Ideologie-Korsett?

Es gibt die ganz Perversen, fĂŒr die Macht ein Selbstzweck ist.
Diese Spezies finden wir in allen FĂŒhrungsetagen.
Ausnahme: ich selbst, sollte ich mal dahin gelangen.

Reichtum, der auf der Schaffung von Armut grĂŒndet, ist ein Kapitalverbrechen.

Die Pösie und die Wissenschaften

 

Warum ich die Medizin mag?
Die Frage ist leicht zu beantworten!

Weil ich ein Medizinmann bin!
Sozusagen ein poetischer Onkel Doktor, der schon in seiner Studentenzeit mit der Gitarre die Bistros unsicher machte. Manchmal, zumindest. So sah das damals aus

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Heute sieht das natĂŒrlich etwas anders aus.

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Aber was soll’s. Man liebt die Poesie und die Musik oder eben nicht. Wenn der Großvater Organist war und die Mutter Klavier spielte und ersten Sopran im Chor des Musikkonservatoriums sang, dann ist man vorbelastet ohne es zu merken.

Nach der Grundausbildung kam dann ebenfalls das Klavier, die Orgel und schlussendlich die Gitarre. Dann kamen die MĂ€dchen und die Bistros.
Und Georges Brassens, Jean Ferrat, Léo Ferré, Maxime le Forrestier, Frédéric Mey bis ich erfuhr dass das der Reinhard ist. Gainsbourg, Brel und all die anderen sowieso.
Und Bob Dylan und Leonard Cohen.

Ich vergess‘ noch „meine“ Österreicher: Georg Danzer, Wolfgang Ambros, den Fendrich und Arik Brauer. Und noch so viele…

Ich hab mich dann sicherheitshalber (aber nicht nur) der Medizin verschrieben, weil die Musik „eine brotlose Kunst“ ist, wie mein Großvater mir einbleute. Er hatte wohl recht, ich war zu faul zum Üben. Und wie sagte schon mein „Freund“ Brassens: „Un don sans technique n’est rien qu’une sale manie.“*
Es gab ja noch die Bistros, die SchihĂŒtten, die Partys und das einsame KĂ€mmerlein.
So kommt es, dass ich erst im hohen Alter das tun kann, was ich schon immer tun wollte: Schreiben und Komponieren.
Euer jmpg

 

* Talent ohne Technik ist eine schlechte Angewohnheit.

Der Gesang der Zikade

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Der Gesang der Zikade

Als die Zikade
Nach einem langen Sommer
Den Weg zum Brunnen nicht mehr fand
Wartete sie
Auf den Regen
Der so fĂŒrstlich daher kam
Dass die Ameise
Die ĂŒble Besserwisserin
In ihrem Bau
Ertrank

Auszug aus: Jean M. P. Gilbertz. „der gesang der zikade.“ Edition Octopus. iBooks.
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le chant de la cigale

Quand la cigale
AprÚs un long été
Ne trouva point le chemin
Vers la fontaine
Elle attendit
La pluie
Qui elle
S’amena si royalement
Que la fourmi
Cette fanfaronne
Fut noyée
Dans son garde-manger

Auszug aus: Jean M. P. Gilbertz. „der gesang der zikade.“ Edition Octopus. iBooks.
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Meine Poetik #3

„Jede neue Zeile ist wie eine Regieanweisung.
Die Verteilung zeigt an wie gelesen werden soll.
Sie zeigt die Dringlichkeit an, den Gedanken- und den Atemfluß.“

(© jmpg 2014, Anweisungen beim Layout vom „gesang der zikade“)

Mein schollenschweres Land

Um als Schreibender, und vor allem als Poet in meinem so schollenschweren Vaterland ernst genommen zu werden, oder wenigstens beachtet, muß man mindestens Literatur studiert haben und Professor sein oder gewesen. (Ich mag das Wort Lyrik nicht so richtig, es erinnert mich zu sehr an die Lyra und ihre von mir so geliebten Nachfolge-Instrumente. Und allzu viele Werke, die unter dem Begriff Lyrik subsummiert werden, besitzen alles andere als Musik)

Daß man im Literatur-Studium im Wesentlichen lernt, sich mit den Texten von meist eben solchen Studienabsolventen frĂŒherer Generationen auseinander zu setzen und sie in oft merkwĂŒrdiger Art und Weise zu beurteilen, nach von wem auch immer festgelegten Kriterien, das scheint niemanden zu interessieren. Besonders hier in Luxemburg ficht das niemanden an. Du willst schreiben? Dann studier gefĂ€lligst auf Lehramt. Oder versuch dich im Staatsdienst. Ach ja, Zeitungsschreiber geht auch noch. Da steht dir zusĂ€tzlich die gesamte PR-Abteilung zur VerfĂŒgung.

Wie gesagt, das ist Luxemburg, mein kulturelles und linguistisches Zwitter-Zuhause.
Doch germanophil- und phonisch gesehen, lieber Johann (das bin ich…), gibt es ja auch den Friedrich, den Schiller, und der war, unter anderem, Arzt, na also. Und der Johann Wolfgang war Geheimrat! Und meine geliebte Tochter Fabienne Germanistin und Literaturwissenschaftlerin. NatĂŒrlich die einzig ernstzunehmende ihres Standes, aber sicher! Ob ich stolz auf sie bin? Was glaubt ihr wohl…?

Poesie gehört fĂŒr mich natĂŒrlich zu den „schönen“ KĂŒnsten, wie auch die Musik und die plastischen Ausdrucksmöglichkeiten. Die FĂ€higkeiten (und das BedĂŒrfnis) dazu hat man. Oder eben nicht. Auf jeden Fall erwirbt man sie nicht, indem man Literatur, Kunst oder Musik studiert. Das Studium soll lediglich Techniken lehren, die schon mal angewendet wurden, in der Vergangenheit. Das Handwerkliche, ein RĂŒstzeug. Mehr nicht. Was das eigene Talent daraus macht, bleibt so individuell, wie das Talent selbst.
Ich finde es unglaublich interessant, mir jetzt den theoretischen Unterbau meiner spontanen Poesie und meiner Liedern (Lyrik!, schau an…) anzulesen. Angeblich bin ich dem „akzentuierenden Versprinzip“ verhaftet.
NatĂŒrlich kann man Poet werden indem man erst mal die Regeln lernt und sie dann wie in einem Puzzle anwendet. Wie gesagt, eine Sache des Talents und des persönlichen Geschmacks.

Meine Poetik #2

 

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Die Schönheit, die Aussage und der rhythmische Kontext muss fĂŒr den Leser erkennbar sein. Auch fĂŒr den nicht geschulten Leser, den sogenannten „einfachen“ Menschen oder den „Durchschnitts-BĂŒrger“. In dieser Kategorie sieht sich allerdings niemand von uns beheimatet, und doch gehören wir alle Nicht-Fach-Leute dazu.
Alle andere sogenannte Poesie, die unverstÀndlich ist, von echter Lyrik nicht einmal zu sprechen, ist nichts anderes als Selbst-Bespiegelung. Um kein anderes Wort zu benutzt.

Ich persönlich mag Enzensberger und seine Vorlesung „Wie Poesie entsteht“. Fabienne, mein Literatur-Wissenschaftlerin-Töchterchen hat sie mir gemailt, als sie meine Paratexte zu „der gesang der zikade“ sichtete. Ich war erfreut, mich darin wieder zu finden.

Agrammatikalischer „Versuchspoesie“? Nein, Danke, nicht unbedingt. Solch geartete TĂ€tigkeiten ĂŒbt man allein mit sich selbst aus.
Allerdings versucht so mancher …Poet, seine lyrische SelbstbeschĂ€ftigung mit den MitbĂŒrgern zu teilen. Das fĂŒhrt dann, im besten Fall, zu Äusserungen wie: „Wovon spricht der eigentlich?“ Oder aber leider auch zu: „Was fĂŒr ein Genie!“ Denn man sagt sich: „Besser so, als einzugestehen, dass ich nichts verstanden habe. Die Dame im echten Pelz neben mir klatscht ja auch. Und der so intellektuell aussehende Herr ebenfalls…., Moment, wer ist das schon mal?“

Schluss mit der Polemik
Aber, das mußte jetzt raus!
© jmpg 15-04-15

Der Mescalero

Nachdem die Sonne
FĂŒr gestohlen erklĂ€rt worden war
War der TĂ€ter schnell ermittelt
Rastergefahndet wurde er
Erschlagen rasch
Noch ehe er gestehen konnte
Leider
Wurde die Beute
Nie gefunden seither
Ist aber
Ein Finderlohn ausgelobt und
Der Mescalero sitzt
In Schutzhaft
Bis er so schwarz ist wie der Tag
Und alles das nur weil er
Klammheimlich etwas sah
Als es noch
Leuchtend
Hell war

© jmpg 2015 Auszug aus „Im Schlepptau der Nacht“, Politische Gedichte

 

VerstÀndnislosigkeit oder MissverstÀndnis?

 

 

oder: was macht ihr mit meinem Land?

Man kann sich vehement gegen Leute wie Noppeney seelig wenden, man kann sich genauso vehement ĂŒber die Frisonis unseres Landes Ă€rgern und noch vehementer ĂŒber all jene in Politik und Kultur, die diese Leute so ĂŒberaus hoch leben lassen, dass man meinen könnte, ohne zumindest einen kleinen französischen Akzent in der Muttersprache könne man doch unmöglich zur luxemburgischen Elite gehören.

Man kann gegen die feindliche Übernahme unserer luxemburgischen Sprache durch die französische sein. Man kann sich ĂŒber unsinnige Äusserungen mit unangenehm weitreichenden Konsequenzen einer ganzen Reihe unserer Regierungsmitglieder in dieser Angelegenheit empören. Mme Cahen, zum Beispiel, um nur sie zu nennen.

Man kann mit allen, legalen, Mitteln gegen die „francicisation“ (=Französisierung, mon Dieu!) unseres germanogenen Landes sein.

All das kann man, aus voller Überzeugung, und trotzdem kann man gleichzeitig frankophil sein, die französische Sprache lieben, die französische Kultur und das gesamte Frankreich dazu mitsamt (der meisten) seiner BĂŒrger. Ohne dass sich das auch nur im Geringsten widerspricht. Warum auch?

Es soll sogar Franzosen geben, die England lieben (oh mein Gott!), die englische Kultur (es gibt eine solche, wirklich, liebe Franzosen und alle die es gerne wĂ€ren, auch wenn das mit der englischen KĂŒche noch nicht so klappt.), und auch noch die englische Sprache.

Trotzdem wĂŒrden sie dir das Vögelchen zeigen, wenn du ihnen vorschlagen wĂŒrdest, in dem Fall doch ganz einfach die eigene Muttersprache durch das englische Idiom zu ersetzen. Im ganzen offiziellen und öffentlichen Frankreich. Weil es ja eh auch noch irgendwie die einzige Weltsprache ist, die ausser der Musik ĂŒberall verstanden wird.

Sie wĂŒrden dir nicht nur das Vögelchen zeigen, sie wĂŒrden dich auch noch mehr oder weniger freundlich zur Grenze begleiten, dich und all ihre französischen MitbĂŒrgern, den offiziellen und den einfachen, die so eine Initiative unterstĂŒtzen wĂŒrden.
Wir wĂŒrden das verstehen, nicht wahr?

Warum reagieren wir denn nicht, wenn sich so etwas in unserem Lande abspielt?

# Stillstand

Ich zögere, mich zu bewegen.
Zu gross ist meine Angst, die Ketten zu spĂŒren.
© jmpg 14-02-16

Ich muss aufpassen, dass mich die Sinnlosigkeit nicht einholt. Es ist nicht gut, wenn der Kampf vorbei ist. Der Frieden macht die Sinnlosigkeit der Existenz erst richtig erkennbar. Im Kampf ums Überleben vergisst man, weshalb man ĂŒberleben will.

 22-07-11  21h53

Versuch einer Positionierung (Teil3) Januar 2015

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Jean M.P. Gilbertz, Januar 2015

Kurzer Essay ĂŒber die Sinn-Suche

Die Sinnsuche des Menschen ist eine RealitĂ€t, die kein noch so entschiedener staatlicher LaĂŻzismus aus der Welt schaffen kann. Dieser lĂ€ĂŸt uns mit einer Leere zurĂŒck, die uns in die Arme jedmöglicher VerfĂŒhrer werfen kann.
Sinnsuche ohne wenigstens die Möglichkeit einer göttlichen Existenz in Betracht zu ziehen, ist Augenwischerei.
Atheismus ist eine relativ „moderne“ Erfindung, die auf der schönen Idee beruht, der Mensch selbst sei das höchste Wesen, in einem Universum, das sich selbst erschaffen hat.
Mit dem „Homomensura“-Satz, „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“ des Protagoras (490-410 v.Ch) hat diese Idee allerdings ĂŒberhaupt nichts zu tun, sagt der doch bloß aus, dass alle Dinge so sind, wie der Mensch sie (mit seinen bescheidenen Sinnesorganen und seinen ebenso bescheidenen GeistesfĂ€higkeiten) erlebt. Wobei noch zu klĂ€ren wĂ€re, ob Protagoras damit den einzelnen Menschen meinte, oder die Menschheit. Aber Protagoras war auch ein Sophist, dem es in der Dikussion nicht um die Wahrheit ging, sondern darum, mit der eigenen Meinung die Argumente der andern, auch wenn diese besser waren, niederzuringen.
Wobei wir bei der Politik angekommen sind, bei der die WorthĂŒlsen den Inhalt verbergen und doch schmackhaft machen sollen. Und den Gegner mundtot.
Was das mit der Sinnsuche zu tun hat?
Wir haben heute in Luxemburg eine „Umbau-Koalition“, angeblich eine Koalition mit Visionen. Das mag vordergrĂŒndig interessant erscheinen, wenn wir mit Deutschland und der sachlicher Frau Merkel vergleichen, Die RĂŒckseite der Medaille aber, ist der relative Chaos, der jeden Umbau begleitet. Der hiesige Umbau diente leider von Beginn an als mannigfaltige Ausrede fĂŒr alle augenblicklichen unzulĂ€nglichen ZustĂ€nde und Versuche. Störend erscheint mir das endlos wiederkehrende Wort: „angedacht“. FĂŒr mich kann dieses Wort zwar fĂŒr Umbau stehen, aber sicher nicht fĂŒr Visionen. „Angedacht“ heißt nichts anderes, als „noch nicht zu Ende gedacht“! WĂ€hrend Frau Merkel zugeschrieben wird,  jede ihrer Unternehmungen „vom Ende her“ zu denken, haben wir in Luxemburg Politiker, die den Blindflug antreten, in der Hoffnung, dass der Nebel sich lichtet und sie die Bergspitzen rechzeitig sehen.

Was das denn jetzt endlich mit der Sinnsuche zu tun hat?

Die Dreierkoalition ist erklĂ€rterweise angetreten, die Sinnsuche des Menschen und die Probleme und Krisen, die dieses Unterfangen seit Menschengedenken hervorruft, insbesondere bei der Jugend, in die PrivatsphĂ€re zu verbannen. Raus aus den Schulen. Damit bleibt den Eltern ĂŒberlassen, unbesehen derer FĂ€higkeiten oder NichtfĂ€higkeiten, sinnsuchende Fragen des Nachwuchses zu beantworten. Die laĂŻzistische Schule vermittelt abstrakte laĂŻzistische VorschlĂ€ge, die sie selbst nicht praktiziert. Alles frei, alles schön, alles offen. Ein idealer Halt.

So, wie Frankreich seit 1905, mehr als 100 Jahre nach der Revolution, mit zweifelhaften Resultaten. Dabei waren nicht wenige dieser RevolutionĂ€re (Robespierre) 1794 fĂŒr die EinfĂŒhrung eines „Être SuprĂȘme“, in Ermangelung der Kirchen und Religionen, die sie haßerfĂŒllt zusammen mit dem Adel zumindest symbolisch guillotiniert hatten. Wußten sie doch, daß es nicht reicht, GefĂ€ngnisse aufzubieten, sondern man eines Himmels und einer Hölle im Jenseits bedarf, um den Menschen dazu anzuhalten, seinem Nachbarn ein guter Nachbar zu sein. Das Gute ist im Menschen leider nicht als Trieb angelegt, sondern nur die Selbsterhaltung. Mit dem „Gutsein“ verdienen wir uns die ewige Sorglosigkeit im Himmel. So die Überlegungen seit Moses Gedenken. Die Zehn Gebote sind ein Resultat, das weltweit in jede Gesetzgebung einfließen könnte. Nur halt daß Jahwe, Gott und Allah von oben die Kontrolle behalten.
Napoleon wiederum brauchte Gott und den Papst, um sich in deren Anwesenheit selbst zu krönen, als ultimative Legitimation.

Was scheren mich aber die republikanischen Werte, wenn mir die Mißachtung dieser Werte, im Augenblickt und in Ewigkeit, ungestraft zu Vorteilen verhilft? Dann heißt es bloß: lass dich nicht erwischen. Den „Big Father“ oben im Himmel, der all diese SĂŒnden wider den NĂ€chsten mitkriegt, gibt es ja nicht.
Die Inhalte des „Ersatzunterrichts“ in unseren Schulen gibt es bis jetzt auch noch nicht. Alles ist erst „angedacht“.
Erstaunlicherweise haben die Kirchen es geschafft, in den Kommissionen Platz zu finden, die ĂŒber diese Inhalte beraten sollen. Und der radikal laĂŻzistische Großherrzogtumsgedanke (die Republik gibt es ja noch nicht), konnte, bevor er in dem neuen Grundgesetz festgeschrieben wird, noch entscheidend verwĂ€ssert werden.
Doch bereits jetzt gelten die, vom augenblicklichen Staat zu ĂŒbernehmenden und umzuschulenden (klingt irgendwie wie „Umerziehung“, oder?) ehemaligen Religionslehrer als Gottes „FĂŒnfte Kolonne“. Sie stehen unter dem Generalverdacht, insgeheim UnlaĂŻzistisches in den Schulen verbreiten zu wollen. Mit dem Fazit: die „angedachten“ VerĂ€nderungen, unausgegoren in allen Belangen, haben bereits jetzt zu einer unnĂŒtzen Polarisierung in der Gesellschaft gefĂŒhrt, nicht nur im Bereich Kirche-Staat, sondern in allen wichtigen Zukunftsbereichen, allen voran dem der Erziehung und somit der Vorbereitung auf’s Erwachsenwerden.
Mit VerstÀndnis und Toleranz, mit Diversifizierung des Wissens im Sinne einer wirklichen humanistischen Ausbildung hat das alles nichts zu tun. Humanismus ist definitiv weder a- noch antitheistisch!
Was bleibt uns ĂŒbrig? Uns lautstark zu wehren und auf die nĂ€chsten Wahlen zu warten, voll Hoffnung und ….Gottvertrauen?

Was tun wir inzwischen in einer solchen Konstellation mit den Menschen, denen Gottes dicker Zeh mehr bedeutet, als alle Versprechungen auf ein unerreichbares irdisches Paradies? Die, die in unserer modernen sekulĂ€ren Gesellschaft, ohne Hoffnung auf ein Wiedererstehen in einer göttlichen Hand, verkĂŒmmern?

Integrieren wir sie… irgendwie? Aber was wenn sie sich nicht integrieren lassen wollen, weil sekulĂ€re Antworten fĂŒr sie keine Antworten sind, sondern nur VerlegenheitserklĂ€rungen? Grenzen wir sie aus? Das Resultat kennen wir. Erschießen wir sie? Es sind zu viele! Es sind zu viele, die den Sinn des Lebens suchen.

Von der Sinnsuche in der Dritten und Vierten Welt zu sprechen, sollten wir aber geflissentlich unterlassen: Wenn der Frieden die Sinnlosigkeit der Existenz erst richtig erkennbar macht, so vergißt man im Kampf ums Überleben, weshalb man ĂŒberleben will.
944 Wörter

Versuch einer Positionierung (Teil2) Januar 2015

 

 Kurzer Essay ĂŒber Gott

Der Nazarener ist der Erste und Einzige in der (zumindest mir bekannten) Weltgeschichte, der von einem Zusammenleben in NĂ€chstenliebe und von Verzeihen spricht, davon, dem Haß die Liebe entgegen zu halten, davon, daß ehrliche Armut allemal besser ist als rĂ€uberischer Reichtum, dass der, der durch das Schwert regiert, durch das Schwert umkommen wird. Mag sein, daß es ĂŒbertrieben klingt, wenn er verlangt, die linke Wange hinzuhalten, wenn man dich auf die rechte schlĂ€gt, weil das sehr schnell zum Recht des StĂ€rkeren und des Skrupelloseren fĂŒhrt. Er vergibt der Ehebrecherin und fordete den auf, den ersten Stein zu werfen, der ohne Fehl und Tadel ist. Er bittet alle die, die wissen, dass noch jemand VorwĂŒrfe gegen sie hegt, mit Beten aufzuhören, den Tempel zu verlassen, und erst diese VorwĂŒrfe aus der Welt zu schaffen. Er forderte die Erwachsenen auf, die Kinder zu respektieren und zu schĂŒtzen.

Er forderte Mitleid und Hilfsbereitschaft, und UnterstĂŒtzung derer, die unschuldig in BedrĂ€ngnis geraten sind. In diesem Bereich ist unser Sozialsystem (manchmal) sogar schon etwas weiter. Aber was den ganzen Rest betrifft, hinken wir Lichtjahre hinterher.

Der jĂŒdische Jahwe, der Gott unseres Alten Testamentes, ist ein zorniger, eifersĂŒchtiger, rachsĂŒchtiger und sogar rassistischer Gott. Der islamische Allah ist nicht besser, er hat auch kaum eine Chance gegenĂŒber seinem Interpreten, dem Propheten, der ein weltlicher Herrscher und Eroberer war. FĂŒr Mohammet zĂ€hlten Gewalt und Krieg zu den bevorzugten Expansionsmittel, (die Israeliten allerdings dachten genauso, in einer antiken Welt voller Überlebenskriegen). Er forderte den Tod von Nicht- und AndersglĂ€ubigen. Sein Allah ist nicht weniger zornig, und rachsĂŒchtig wie der jĂŒdische Jahwe.
Seine AnhĂ€nger haben diese Sichtweisen bis heute nicht abgelegt. Die jĂŒdischen WeltbĂŒrger erzwungenermaßen seit langem schon. Sie wurden dafĂŒr in allen Lebensbereichen kreativ. Die Christen, ihrerseits, sind nach einigen blutrĂŒnstigen Jahrhunderten endlich im Begriff zur reine Lehre zurĂŒckzufinden. Zumindest theoretisch.

Im Islam geht es nicht darum zur reinen Lehre zurĂŒckzufinden, denn wohin das fĂŒhrt erleben wir zur Zeit weltweit. Es sollte ihren AnhĂ€ngern darum gehen, einen neuen, zeitgemĂ€ĂŸen Zugang zu einer religiösen Schrift zu finden, die im Wesentlichen eine Sozialgesetzgebung darstellt, und, nach 1300 Jahren wortwörtlich genommen, nichts als ein totgefĂ€hrlicher Anachronismus ist mitsamt ihrem barbarischen Strafgesetzbuch, der Scharia.

Dazu sollte jeder wissen, daß die absolute Macht gepaart mit einer einzigen gĂŒltigen Denkrichtung, zwangsweise zur (auch physischen) Eliminierung aller anderen Denkrichtungen fĂŒhrt. Ob im Judentum, im Christentum oder im Islam.
Der göttliche Vater des Nazareners Jesus aber ist ein gĂŒtiger Gott, ein barmherziger Gott, der dem Menschen Vergebung anbietet, so dieser ehrlich seine Fehler und VerstĂ¶ĂŸe gegen die NĂ€chstenliebe bereut. Ein gewaltloser Gott. Ein toleranter Gott. Das hatten seine Vertreter in den letzten Jahrhunderten nicht immer richtig verstanden. Freundlich ausgedrĂŒckt.
Von heutigen TerroranschlĂ€gen christlicher MinoritĂ€ten in andersglĂ€ubigen LĂ€ndern ist mir nichts bekannt. Der französische Begriff „assassin“ fĂŒr „Mörder leitet sich von den Assassinen, einer ismaelitisch-islamischen Sekte ab, die im 11. Jahrhundert, wĂ€hrend des 3. Keuzzuges berĂŒchtigt wurde (und die sich zeitweise sogar mit den Kreuzrittern verbĂŒndeten, die ihrerseits nichts anderes waren als religiös verbrĂ€mte Raubritter). Die Assassinen töteten oder vielmehr meuchelten ohne RĂŒcksicht auf das eigene Leben und sind wohl die VorlĂ€ufer der islamischen Selbstmord-AttentĂ€ter. Den eigenen Tod nahmen sie billigend in Kauf, versprach er ihnen doch die Aufnahme ins Paradies und die individuelle Betreuung durch zweiundsiebzig Jungfrauen. Auch die heutigen SelbstmordattentĂ€ter erwartet dieser paradiesische Service, es sei denn, angeblich, sie werden von einer Frau getötet. Wovor die ISIS-KĂ€mpfer Angst haben, wenn sie gegen kurdische FrauenverbĂ€nde kĂ€mpfen.
Was mit den Jungfrauen geschieht, wenn sie nicht mehr Jungfrau sind, ist auch geregelt: sie werden nach jeder „Benutzung“ wieder zu genuinen Jungfrauen. Wir begegnen dem frauenverachtenden Konzept des Islam in seiner absurdesten Form. Nicht zuletzt, weil ihnen eine bereits „gebrauchte“ Frau keinen innehabenden Wert mehr hat. In dem Punkt hat sich bei uns allerdings auch erst recht spĂ€t etwas getan. Ich könnte Seiten fĂŒllen, diese MĂ€nner-Ängste und BesitzansprĂŒche psycho- und sozio-anthropologisch zu erklĂ€ren.

Daß die Katholische Kirche große SĂŒnden an der Menschheit begangen hat, und manchmal noch begeht, das leugnet sie heute selbst nicht mehr. An der Lehre des Nazareners liegt es nicht. Seine Lehre kann nur an den Menschen scheitern, die sich zu Stellvertretern Gottes auf Erden aufschwingen. Der Weg der christlichen Erneuerer ist noch steinig und weit. Lang lebe Franziskus I.

PS Ach ja, zur Erinnerung: die Lehre Jesu steht im NEUEN Testament (von Paulus etwas manipuliert). Das Alte Testamament dient lediglich der geschichtlichen, religiösen EvolutionserkĂ€rung. Es heißt „alt“, weil es alt ist und ĂŒberholt. Jesus zitierte die „alten“
Propheten und fĂŒgte dann hinzu: „Ich aber sage euch….“. Dass in seinen Gleichnissen Bilder und Situationen der damaligen Zeit herrschen ist selbstverstĂ€ndlich. Nicht so selbstverstĂ€ndlich ist, daß er die NĂ€chstenliebe auf dieselbe Stufe setzte, wie die Gottesliebe ( Was ihr dem geringsten meiner BrĂŒder getan habt, das habt ihr mir getan. Mt 25,31-46). Eine ungeheuerliche Forderung, die es bis dahin in keiner Religion gegeben hat. Die Gottesliebe im alten Testament war voller Furcht vor Jahwes Sanktionen. Die im neuen Testament sollte frei von Furcht sein, dafĂŒr aber voller Selbstreflexion. Erinnert mich irgendwie an den…Humanismus?

 

Versuch einer Positionierung (Teil 1) Januar 2015

Erinnerungen

Jean M.P. Gilbertz, Januar 2015

Die Reaktionen unserer politischen Vertreter nach dem Pariser Massaker hat mich in ihrer NaivitÀt und ihrem Mangel an VerstÀndnis von Ursache und Konsequenzen regelrecht geschockt.
Die Verfolgung der Juden im Dritten Reich mit der augenblicklichen Ablehnung und der Angst vor der muslimischen Bevölkerung in unseren LÀndern zu vergleichen, wie es unser Vize-Premier ziemlich gewunden formulierte, ist nichts anderes als eine grobe UnverschÀmtheit. Und ein Zeichen von politischer Unreife.
Es ist mir nicht in Erinnerung, dass irgendwelche europĂ€ische MitbĂŒrger jĂŒdischen Glaubens zu irgend einem Zeitpunkt unsere gesellschaftliche Ordnung in irgendeiner Weise bedroht, und so Angst und Verfolgung ausgelöst hĂ€tten. Auch nicht vor, wĂ€hrend und nach dem „Dritten Reich“.Das war ein staatlich orchestriertes Progrom.
Der Antisemitismus hatte und hat folglich kein Parallelen mit unserer Angst vor islamistischen Umtrieben. Wenn die elementaren Vergleiche unserer Regierenden auf sÀmtlichen Beinen hinken, kann von VerstÀndnis wohl keine Rede sein.
Herr Bettel hat als Reaktion auf den ganzen Pariser Horror den peinlichen Versuch unternommen, öffentlich zu weinen, und in einem langen Schachtelsatz, ohne erkennbare Syntax, eine gesteigerte Entwicklungshilfe als PrÀvention gegen den Terror vorgeschlagen. Sancta Simplicitas!

Der Islam, oder vielmehr die Fehlentwicklungen, die aus dessen Glaubens- und StaatsverstĂ€ndnis hervorgehen, bedrohen inzwischen die ganze Menschheit, einschließlich die eigenen GlaubensbrĂŒder und -Schwestern, die vor dem Terror in ihren eigenen LĂ€ndern zu uns herĂŒber flĂŒchten. Es sind nicht diese FlĂŒchtlinge, die unsere Existenz bedrohen, wie es die dumpfen PEGIDA-MitlĂ€ufer zu glauben scheinen. Es sind AnsĂ€ssige mit Migrationshintergrund, die bereits hier geborenen und gross geworden sind. Sie sind aber nie richtig in unserer Gesellschaft angekommen, vielleicht weil sie sich hin und her gerissen fĂŒhlen zwischen den Werten eines mittelalterlichen patriarchalen Islam, den ethische Vorstellungen also, die ihnen ihre Eltern vermittelt haben einerseits, und den freien Entfaltungsmöglichkeiten des Individuums in den Demokratien der westlichen Welt andererseits.
Die Frau in unseren Breiten ist (wenigstens theoretisch) dem Mann gleichberechtigt und kann ihr Leben selbst bestimmen. Allein dieser Unterschied rĂŒttelt am SelbstverstĂ€ndnis und SelbstwertgefĂŒhl des islamischen Mannes, der es gewohnt ist,  in seiner Familie die letzte Instanz zu sein. Auch der grĂ¶ĂŸte menschliche und gesellschaftliche Versager bleibt das zu achtende Oberhaupt der Familie. Sein Wort gilt. Seine Frau und seine Töchter glaubt er verschleiern zu mĂŒssen, um sie vor den lĂŒsternen Blicken anderer MĂ€nner zu schĂŒtzen. Er bestimmt allein, wo sie wann und mit wem unterwegs sind. Eine verquere Logik, die unterstellt, dass alle (zumindest islamische) MĂ€nner unter einem unkontrollierbaren Sexualtrieb leiden und, logischerweise, alle (zumindest islamische) Frauen potentiell „unanstĂ€ndig“ sind, wenn sie unbeaufsichtigt sind.
Vergewaltigungen, wie sie in Indien an der Tagesordnung sind stehen hier nur insoweit zur Debatte, als daß eine unverschleierte, sich unziemlich-westlich kleidende und gebĂ€rdende Frau, dieser Logik entsprechend, die eigentliche Schuld am „Geschehen“ trĂ€gt. Welch entsetzliches, erbĂ€rmliches Welt- und Menschenbild. Und welch minderwertiges SelbstverstĂ€ndnis.

Es sind in Deutschland die „radikalen Verlierer“, wie Enzensberger sie bereits 2005 nannte, die auf uns losgehen. Die der zweiten oder bereits dritten Generation, die, ohne wesentliche Ausbildung und Zukunftsaussichten, die, mit dem Berufswunsch Harz IV, die, die weder vernĂŒnftiges Deutsch noch vernĂŒftiges TĂŒrkisch sprechen und das Schwinden der absoluten mĂ€nnlichen Dominanz hinterhertrauern. Sie reißen so manchen orientierungslosen, dem Druck der heutigen Arbeits- und Konsumwelt nicht stand haltenden und nur bedingt intelligenten jungen Nicht-Moslem mit in das vermeintlich stabile und einfache moslimische Glaubenssystem. Der Koran regelt den Tagesablauf. Eigenes Denken ist nicht erforderlich.

Dass die Situation in Frankreich und Belgien, mit ihren Vorstadtghettos und der Perspektivlosigkeit der ehemaligen nordafrikanischen Kolonie-Immigranten belgischer oder französischer NationalitĂ€t, ohne sprachliche Kommunikationsprobleme, eine ganz andere ist, als die der tĂŒrkischen Arbeitsimmigranten in Deutschland, dĂŒrfte einleuchten. Die Lage in beiden KolonialherrenlĂ€ndern ist wesentlich explosiver. Man glaubt dazugehören zu mĂŒssen, und merkt im Alltag, daß dem nicht so ist. Wenn man Achmed heißt, braucht man sich so manches Mal namentlich gar nicht erst fĂŒr einen Job zu bewerben.
Der Hass auf alle Anderen, auf alle, denen es „besser“ geht, auf die, die „dazugehören“, ist die logische Folge.

Das „Dazugehören“, das „Sich-Anpassen“, das „Sich-Integrieren“ ist umso schwieriger fĂŒr die muslimische Welt, als ihr Glauben, ihre Religion sich nicht allein auf das Spirituelle im Hier und Jenseits beschrĂ€nkt, sondern in Wahrheit eine vollstĂ€ndiges Regelwerk fĂŒr fast alle Belange, Pflichten und Rechte des Alltags darstellen. Aufgestellt fĂŒr eine Gesellschaft des 8. Jahrhunderts nach Christus. VervollstĂ€ndigt, interprĂ€tiert, gegeninterprĂ€tiert und uminterprĂ€tiert in zahlreichen, fast genau so alten Hadithe (Überlieferungen). Schlußendlich sind dies Hadithe wichtiger geworden als der Koran selbst.
Zu keinem Zeitpunkt hat eine modernes, adaptiertes VerstÀndnis der alten Texte sich in der moslemischen Welt durchsetzen können.
Somit stellen Koran und Hadithe den idealen Rahmen fĂŒr eindimensionales Denken und Handeln dar. Sie eignen sich fĂŒr „Versager“ jeglicher Ursache.
Wenn im Koran steht, „tötet alle NichtglĂ€ubigen“, dann versuchen radikalisierte Mosleme ebendas zu tun. NichtglĂ€ubige darf man anlĂŒgen, betrĂŒgen und ausrauben. Und natĂŒrlich töten. Damit rĂ€chen sie sich an einer Gesellschaft, mit der sie nicht zurecht kommen und von der sie sich verachtet fĂŒhlen. Jetzt werden sie zumindest gefĂŒrchtet. Sie erleben ein GefĂŒhl der Macht und eines relativen „Erfolges“, zu denen sie in unserer modernen Gesellschaft keinen Zugang hatten.
Dass die Texte, auf die sie sich berufen, sich auf das 8. Jahrhundert und die damaligen Eroberungskriege beziehen, ficht diese Leute nicht an. Sie fĂŒhren mit den technischen Errungenschaften des 21. Jahrhunderts, die nicht einmal aus ihren Kulturkreisen stammen, die Kriege ihrer Urahnen weiter.

Was all das mit dem Antisemitismus des letzten Jahrhunderts zu tun hat, mit der Shoa, oder mit der Bettelschen Entwicklungshilfe fĂŒr dritte und vierte Welt zur Terrorprevention, ist mir völlig unverstĂ€ndlich.
Es reicht nicht, sich mit GeschĂ€fts- und Staatsbilanzen auszukennen, wenn man Politik betreiben will. Ein Staat ist kein Betrieb, der nur von Buchhaltern gefĂŒhrt werden kann.

Vielleicht sollten wir der Einfachheit halber und zum besseren VerstĂ€ndnis aller, die Juden fĂŒr den islamischen Terror verantwortlich machen. Palestina wird völkerrechtlich anerkannt, ohne dass dasselbe Palestina das Existenzrecht Israels anerkennen muss, Hamas und Hisbollah erhalten den Friedensnobelpreis, der saudische König wird GeneralsekretĂ€r der Vereinten Nationen, die Mullhas ĂŒbernehmen Unicef und ISIS wird in die UN-Blauhelm-Regimente integriert..

Ich kenne wen in der Hölle, der schaurig lacht!