Versuch einer Positionierung (Teil2) Januar 2015

 

 Kurzer Essay über Gott

Der Nazarener ist der Erste und Einzige in der (zumindest mir bekannten) Weltgeschichte, der von einem Zusammenleben in Nächstenliebe und von Verzeihen spricht, davon, dem Haß die Liebe entgegen zu halten, davon, daß ehrliche Armut allemal besser ist als räuberischer Reichtum, dass der, der durch das Schwert regiert, durch das Schwert umkommen wird. Mag sein, daß es übertrieben klingt, wenn er verlangt, die linke Wange hinzuhalten, wenn man dich auf die rechte schlägt, weil das sehr schnell zum Recht des Stärkeren und des Skrupelloseren führt. Er vergibt der Ehebrecherin und fordete den auf, den ersten Stein zu werfen, der ohne Fehl und Tadel ist. Er bittet alle die, die wissen, dass noch jemand Vorwürfe gegen sie hegt, mit Beten aufzuhören, den Tempel zu verlassen, und erst diese Vorwürfe aus der Welt zu schaffen. Er forderte die Erwachsenen auf, die Kinder zu respektieren und zu schützen.

Er forderte Mitleid und Hilfsbereitschaft, und Unterstützung derer, die unschuldig in Bedrängnis geraten sind. In diesem Bereich ist unser Sozialsystem (manchmal) sogar schon etwas weiter. Aber was den ganzen Rest betrifft, hinken wir Lichtjahre hinterher.

Der jüdische Jahwe, der Gott unseres Alten Testamentes, ist ein zorniger, eifersüchtiger, rachsüchtiger und sogar rassistischer Gott. Der islamische Allah ist nicht besser, er hat auch kaum eine Chance gegenüber seinem Interpreten, dem Propheten, der ein weltlicher Herrscher und Eroberer war. Für Mohammet zählten Gewalt und Krieg zu den bevorzugten Expansionsmittel, (die Israeliten allerdings dachten genauso, in einer antiken Welt voller Überlebenskriegen). Er forderte den Tod von Nicht- und Andersgläubigen. Sein Allah ist nicht weniger zornig, und rachsüchtig wie der jüdische Jahwe.
Seine Anhänger haben diese Sichtweisen bis heute nicht abgelegt. Die jüdischen Weltbürger erzwungenermaßen seit langem schon. Sie wurden dafür in allen Lebensbereichen kreativ. Die Christen, ihrerseits, sind nach einigen blutrünstigen Jahrhunderten endlich im Begriff zur reine Lehre zurückzufinden.

Im Islam geht es nicht darum zur reinen Lehre zurückzufinden, denn wohin das führt erleben wir zur Zeit weltweit. Es sollte ihren Anhängern darum gehen, einen neuen, zeitgemäßen Zugang zu einer religiösen Schrift zu finden, die im Wesentlichen eine Sozialgesetzgebung darstellt, und, nach 1300 Jahren wortwörtlich genommen, nichts als ein totgefährlicher Anachronismus ist mitsamt ihrem barbarischen Strafgesetzbuch, der Scharia.

Dazu sollte jeder wissen, daß die absolute Macht gepaart mit einer einzigen gültigen Denkrichtung, zwangsweise zur (auch physischen) Eliminierung aller anderen Denkrichtungen führt. Ob im Judentum, im Christentum oder im Islam.
Der göttliche Vater des Nazareners Jesus aber ist ein gütiger Gott, ein barmherziger Gott, der dem Menschen Vergebung anbietet, so dieser ehrlich seine Fehler und Verstöße gegen die Nächstenliebe bereut. Ein gewaltloser Gott. Ein toleranter Gott. Das hatten seine Vertreter in den letzten Jahrhunderten nicht immer richtig verstanden. Freundlich ausgedrückt.
Von Terroranschlägen christlicher Minoritäten in andersgläubigen Ländern ist mir nichts bekannt. Der französische Begriff „assassin“ für „Mörder leitet sich von den Assassinen, einer ismaelitisch-islamischen Sekte ab, die im 11. Jahrhundert, während des 3. Keuzzuges berüchtigt wurde (und die sich zeitweise sogar mit den Kreuzrittern verbündeten, die ihrerseits nichts anderes waren als religiös verbrämte Raubritter). Die Assassinen töteten oder vielmehr meuchelten ohne Rücksicht auf das eigene Leben und sind wohl die Vorläufer der islamischen Selbstmord-Attentäter. Den eigenen Tod nahmen sie billigend in Kauf, versprach er ihnen doch die Aufnahme ins Paradies und die individuelle Betreuung durch siebzig Jungfrauen. Auch die heutigen Selbstmordattentäter erwartet dieser paradiesische Service, es sei denn, angeblich, sie werden von einer Frau getötet. Wovor die ISIS-Kämpfer Angst haben, wenn sie gegen kurdische Frauenverbände kämpfen.
Was mit den Jungfrauen geschieht, wenn sie nicht mehr Jungfrau sind, ist auch geregelt: sie werden nach jeder „Benutzung“ wieder zu genuinen Jungfrauen. Wir begegnen dem frauenverachtenden Konzept des Islam in seiner absurdesten Form. Nicht zuletzt, weil ihnen eine bereits „gebrauchte“ Frau keinen innehabenden Wert mehr hat. In dem Punkt hat sich bei uns allerdings auch erst recht spät etwas getan. Ich könnte Seiten füllen, diese Männer-Ängste und Besitzansprüche psycho- und sozio-anthropologisch zu erklären.

Daß die Katholische Kirche große Sünden an der Menschheit begangen hat, und manchmal noch begeht, das leugnet sie heute selbst nicht mehr. An der Lehre des Nazareners liegt es nicht. Seine Lehre kann nur an den Menschen scheitern, die sich zu Stellvertretern Gottes auf Erden aufschwingen. Der Weg der christlichen Erneuerer ist noch steinig und weit. Lang lebe Franziskus I.

PS Ach ja, zur Erinnerung: die Lehre Jesu steht im NEUEN Testament (von Paulus etwas manipuliert). Das Alte Testamament dient lediglich der geschichtlichen, religiösen Evolutionserkärung. Es heißt „alt“, weil es alt ist und überholt. Jesus zitierte die „alten“
Propheten und fügte dann hinzu: „Ich aber sage euch….“. Dass in seinen Gleichnissen Bilder und Situationen der damaligen Zeit herrschen ist selbstverständlich. Nicht so selbstverständlich ist, daß er die Nächstenliebe auf dieselbe Stufe setzte, wie die Gottesliebe ( Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Mt 25,31-46). Eine ungeheuerliche Forderung, die es bis dahin in keiner Religion gegeben hat. Die Gottesliebe im alten Testament war voller Furcht vor Jahwes Sanktionen. Die im neuen Testament sollte frei von Furcht sein, dafür aber voller Selbstreflexion. Erinnert mich irgendwie an den…Humanismus?

 

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