Versuch einer Positionierung (Teil3) Januar 2015

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Jean M.P. Gilbertz, Januar 2015

Kurzer Essay über die Sinn-Suche

Die Sinnsuche des Menschen ist eine Realität, die kein noch so entschiedener staatlicher Laïzismus aus der Welt schaffen kann. Dieser läßt uns mit einer Leere zurück, die uns in die Arme jedmöglicher Verführer werfen kann.
Sinnsuche ohne wenigstens die Möglichkeit einer göttlichen Existenz in Betracht zu ziehen, ist Augenwischerei.
Atheismus ist eine relativ „moderne“ Erfindung, die auf der schönen Idee beruht, der Mensch selbst sei das höchste Wesen, in einem Universum, das sich selbst erschaffen hat.
Mit dem „Homomensura“-Satz, „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“ des Protagoras (490-410 v.Ch) hat diese Idee allerdings überhaupt nichts zu tun, sagt der doch bloß aus, dass alle Dinge so sind, wie der Mensch sie (mit seinen bescheidenen Sinnesorganen und seinen ebenso bescheidenen Geistesfähigkeiten) erlebt. Wobei noch zu klären wäre, ob Protagoras damit den einzelnen Menschen meinte, oder die Menschheit. Aber Protagoras war auch ein Sophist, dem es in der Dikussion nicht um die Wahrheit ging, sondern darum, mit der eigenen Meinung die Argumente der andern, auch wenn diese besser waren, niederzuringen.
Wobei wir bei der Politik angekommen sind, bei der die Worthülsen den Inhalt verbergen und doch schmackhaft machen sollen. Und den Gegner mundtot.
Was das mit der Sinnsuche zu tun hat?
Wir haben heute in Luxemburg eine „Umbau-Koalition“, angeblich eine Koalition mit Visionen. Das mag vordergründig interessant erscheinen, wenn wir mit Deutschland und der sachlicher Frau Merkel vergleichen, Die Rückseite der Medaille aber, ist der relative Chaos, der jeden Umbau begleitet. Der hiesige Umbau diente leider von Beginn an als mannigfaltige Ausrede für alle augenblicklichen unzulänglichen Zustände und Versuche. Störend erscheint mir das endlos wiederkehrende Wort: „angedacht“. Für mich kann dieses Wort zwar für Umbau stehen, aber sicher nicht für Visionen. „Angedacht“ heißt nichts anderes, als „noch nicht zu Ende gedacht“! Während Frau Merkel zugeschrieben wird,  jede ihrer Unternehmungen „vom Ende her“ zu denken, haben wir in Luxemburg Politiker, die den Blindflug antreten, in der Hoffnung, dass der Nebel sich lichtet und sie die Bergspitzen rechzeitig sehen.

Was das denn jetzt endlich mit der Sinnsuche zu tun hat?

Die Dreierkoalition ist erklärterweise angetreten, die Sinnsuche des Menschen und die Probleme und Krisen, die dieses Unterfangen seit Menschengedenken hervorruft, insbesondere bei der Jugend, in die Privatsphäre zu verbannen. Raus aus den Schulen. Damit bleibt den Eltern überlassen, unbesehen derer Fähigkeiten oder Nichtfähigkeiten, sinnsuchende Fragen des Nachwuchses zu beantworten. Die laïzistische Schule vermittelt abstrakte laïzistische Vorschläge, die sie selbst nicht praktiziert. Alles frei, alles schön, alles offen. Ein idealer Halt.

So, wie Frankreich seit 1905, mehr als 100 Jahre nach der Revolution, mit zweifelhaften Resultaten. Dabei waren nicht wenige dieser Revolutionäre (Robespierre) 1794 für die Einführung eines „Être Suprême“, in Ermangelung der Kirchen und Religionen, die sie haßerfüllt zusammen mit dem Adel zumindest symbolisch guillotiniert hatten. Wußten sie doch, daß es nicht reicht, Gefängnisse aufzubieten, sondern man eines Himmels und einer Hölle im Jenseits bedarf, um den Menschen dazu anzuhalten, seinem Nachbarn ein guter Nachbar zu sein. Das Gute ist im Menschen leider nicht als Trieb angelegt, sondern nur die Selbsterhaltung. Mit dem „Gutsein“ verdienen wir uns die ewige Sorglosigkeit im Himmel. So die Überlegungen seit Moses Gedenken. Die Zehn Gebote sind ein Resultat, das weltweit in jede Gesetzgebung einfließen könnte. Nur halt daß Jahwe, Gott und Allah von oben die Kontrolle behalten.
Napoleon wiederum brauchte Gott und den Papst, um sich in deren Anwesenheit selbst zu krönen, als ultimative Legitimation.

Was scheren mich aber die republikanischen Werte, wenn mir die Mißachtung dieser Werte, im Augenblickt und in Ewigkeit, ungestraft zu Vorteilen verhilft? Dann heißt es bloß: lass dich nicht erwischen. Den „Big Father“ oben im Himmel, der all diese Sünden wider den Nächsten mitkriegt, gibt es ja nicht.
Die Inhalte des „Ersatzunterrichts“ in unseren Schulen gibt es bis jetzt auch noch nicht. Alles ist erst „angedacht“.
Erstaunlicherweise haben die Kirchen es geschafft, in den Kommissionen Platz zu finden, die über diese Inhalte beraten sollen. Und der radikal laïzistische Großherrzogtumsgedanke (die Republik gibt es ja noch nicht), konnte, bevor er in dem neuen Grundgesetz festgeschrieben wird, noch entscheidend verwässert werden.
Doch bereits jetzt gelten die, vom augenblicklichen Staat zu übernehmenden und umzuschulenden (klingt irgendwie wie „Umerziehung“, oder?) ehemaligen Religionslehrer als Gottes „Fünfte Kolonne“. Sie stehen unter dem Generalverdacht, insgeheim Unlaïzistisches in den Schulen verbreiten zu wollen. Mit dem Fazit: die „angedachten“ Veränderungen, unausgegoren in allen Belangen, haben bereits jetzt zu einer unnützen Polarisierung in der Gesellschaft geführt, nicht nur im Bereich Kirche-Staat, sondern in allen wichtigen Zukunftsbereichen, allen voran dem der Erziehung und somit der Vorbereitung auf’s Erwachsenwerden.
Mit Verständnis und Toleranz, mit Diversifizierung des Wissens im Sinne einer wirklichen humanistischen Ausbildung hat das alles nichts zu tun. Humanismus ist definitiv weder a- noch antitheistisch!
Was bleibt uns übrig? Uns lautstark zu wehren und auf die nächsten Wahlen zu warten, voll Hoffnung und ….Gottvertrauen?

Was tun wir inzwischen in einer solchen Konstellation mit den Menschen, denen Gottes dicker Zeh mehr bedeutet, als alle Versprechungen auf ein unerreichbares irdisches Paradies? Die, die in unserer modernen sekulären Gesellschaft, ohne Hoffnung auf ein Wiedererstehen in einer göttlichen Hand, verkümmern?

Integrieren wir sie… irgendwie? Aber was wenn sie sich nicht integrieren lassen wollen, weil sekuläre Antworten für sie keine Antworten sind, sondern nur Verlegenheitserklärungen? Grenzen wir sie aus? Das Resultat kennen wir. Erschießen wir sie? Es sind zu viele! Es sind zu viele, die den Sinn des Lebens suchen.

Von der Sinnsuche in der Dritten und Vierten Welt zu sprechen, sollten wir aber geflissentlich unterlassen: Wenn der Frieden die Sinnlosigkeit der Existenz erst richtig erkennbar macht, so vergißt man im Kampf ums Überleben, weshalb man überleben will.
944 Wörter

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